Dreh- und Angelpunkt des letzten großen Einsatzes der einwöchigen Militärübung war der Bahnhof von Montzen. Aufgabe der Ardennenjäger war es, eine fiktive Bedrohung abzuwehren und das Gelände von feindlichen Kräften zu befreien – und das unter möglichst realistischen Bedingungen.
"Ich denke, wir haben das Glück, in einer zivilen Umgebung trainieren zu können. Mit der Anwesenheit der Bevölkerung, der Infrastruktur und den Schwierigkeiten, auf die man beim Manövrieren stoßen kann", erklärt der Kommandant der Ardennenjäger, Bruno Pignon. "Wenn man sich beispielsweise mitten im Wald befindet, hat man zwangsläufig viel mehr Bewegungsfreiheit. Hier gibt es hingegen all diese Einschränkungen, denen man auch bei tatsächlichen Operationen begegnen könnte. Deshalb versuchen wir, die Schwierigkeiten so weit wie möglich zu berücksichtigen und daraus zu lernen und uns weiter zu verbessern."
Gestartet ist die Übung am letzten Wochenende in Marche-en-Famenne. Rund 650 Soldaten und Angehörige des Militärs sind seitdem unterwegs - darunter Mitglieder der Artillerie, der Infanterie und der Pioniertruppe. Auch zwei Einheiten aus Frankreich nehmen an der Übung teil, um die internationale Zusammenarbeit zu stärken.
"Das bietet den Vorteil, dass wir in großangelegten Kampfsituationen wie dieser Übung hier zusammenarbeiten können. Das macht es möglich, gemeinsame Verfahren zu verbessern und schneller zu reagieren. Gleichzeitig können wir aus den Stärken und Schwächen jedes Elements lernen und alles in ein kohärentes Manöver integrieren, damit die Mission möglichst gut läuft."
Die Übung am Donnerstag beschränkte sich aber nicht nur auf das Bahnhofsgebäude von Montzen - auch außerhalb der Kampfzone waren verschiedene Teams im Einsatz - zum Beispiel zur logistischen, medizinischen oder taktischen Unterstützung. Die Soldaten im Gebäude mussten unterdessen auf alles gefasst sein, denn auf dem Gelände gab es verschiedene Fallen.
"Wir nutzen zum Beispiel Sprengfallen mit Explosivstoffen. Das ermöglicht es uns, unsere spezialisierten Teams zu trainieren. Die größte simulierte Bedrohung war hier eine chemische Bedrohung, der man ebenfalls bei einem Einsatz begegnen könnte. Ziel ist es natürlich auch, all diese spezialisierten Einheiten auf den Umgang mit einer solchen Bedrohung vorzubereiten", so Pignon.
Im Rahmen des freiwilligen Militärdienstes bekommen vor allem die Landstreitkräfte ordentlich Zuwachs. 375 Jugendliche starten in diesem Jahr in die Ausbildung im Heer. Weitere 50 bei der Marine, 75 bei der Luftwaffe.
"Die Zahlen haben es gezeigt: Es gibt sehr viele Bewerber. Es ist das erste Mal, dass wir diesen Typ von Person einstellen. Das hilft natürlich, Interesse an dem Beruf zu wecken. Junge Menschen bekommen einen ersten Einblick in das, was wir tun, und können sich beteiligen, sicherlich auf dem nationalen Territorium. Wir freuen uns über diese Zahlen und hoffen, dass sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzt, damit unsere Reihen weiter wachsen."
Den Ardennenjägern scheint es am Donnerstagmorgen gelungen zu sein, das Bahnhofsgebäude vom Feind zu befreien. Vorbei war die Übung damit aber noch lange nicht. Im Laufe des Tages warteten weitere Herausforderungen in Montzen.
Lindsay Ahn