Laut Medienberichten in der vergangenen Woche soll das Postbüro Herbesthal auf einer Liste von 33 Standorten stehen, die aus Spargründen geschlossen werden könnten. Eine offizielle Meldung dazu hat es bisher nicht gegeben, betonte Lontzens Bürgermeister Patrick Thevissen. Man habe angesichts der Pressemeldungen Recherchen angestellt, so der Bürgermeister. Dabei sei herausgekommen, "dass es eine Arbeitsliste ist, die nicht definitiv ist. Aber man steht trotzdem auf der Arbeitsliste, also kommt die Gefahr schon ein bisschen näher", so Thevissen.
Alle Fraktionen waren sich einig, dass es in der Gemeinde weiterhin eine Post-Dienstleistung in deutscher Sprache geben muss. Das wäre in der nahegelegenen Postfiliale in Welkenraedt nicht der Fall. "Es wäre nicht annehmbar, dass die Deutschsprachigen hier in der Gemeinde einen weniger attraktiven Dienst bekämen als die französischsprachigen oder flämischsprachigen Menschen im Land", unterstrich der Lontzener Bürgermeister.
Etienne Simar (Union) sagte, er werde sich in dieser Sache persönlich an die föderale Ministerin für öffentliche Verwaltung Vanessa Matz wenden "und sie darum bitten, unser Dossier sowie die besonderen Gegebenheiten unserer Region eingehend zu prüfen, damit unser Postbüro erhalten werden kann", sagte er. Die Union setze sich "ohne Wenn und Aber" für den Erhalt der Postfiliale Herbesthal ein, so Simar. Matz und Simar gehören als Mitglieder von Les Engagés beziehungsweise CSP derselben Parteienfamilie an.
Yannick Heuschen (Ecolo) hatte zum Thema Postbüro auch eine Frage an das Gemeindekollegium eingereicht. Sollte die Filiale in Herbesthal geschlossen werden, wäre das "ein tragischer Verlust für den Dienst an der Bevölkerung, da der Dienst in deutscher Sprache in Welkenraedt nicht gewährleistet wird", so Heuschen.
KFZ-Zulassungsstelle: Gespräche mit Minister Crucke laufen
Eine Schließung der KFZ-Zulassungsstelle (DIV) würde Auswirkungen über die Gemeinde Lontzen hinaus haben, waren sich die Fraktionen einig. Thevissen sagte, bislang handele es sich bei einer möglichen Schließung der Zulassungsstelle um Gerüchte. Aber, so der Bürgermeister: "Das ist ein Zeichen, dass etwas, was erreicht worden ist, nie sicher ist". Man sehe, "wie schnell man auch vom Radar verschwinden könne, wenn man nicht reagiert. Und das ist genau der Sinn dieser Resolution", sagte Thevissen. Es seien seitens der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu diesem Thema bereits Gespräche mit dem zuständigen föderalen Verkehrsminister Jean-Luc Crucke aufgenommen worden, ergänzte er.
Alexander Jonas von der Union wies darauf hin, dass die KFZ-Zulassungsstelle erst vor vergleichsweise kurzer Zeit von Eupen nach Lontzen umgezogen sei. "Das ist effektiv eine Anlaufstelle für viele Leute", betonte er.
Die Oppositionsliste Union beantragte bei beiden Resolutionen, einen Artikel zu streichen, der die Prüfung von Alternativen beinhaltete, sollte eine unveränderte Fortführung der Tätigkeit sowohl des Postbüros als auch der KFZ-Zulassungsstelle nicht möglich sein. Diesem Vorschlag der Union schlossen sich die anderen Fraktionen an. Die Resolutionen sollen laut Thevissen bei den zuständigen Ministerien und Behörden eingereicht werden.
Ebenfalls angenommen wurde vom Lontzener Gemeinderat eine Resolution zur Personalsituation in der Abteilung Natur und Forstwesen des Öffentlichen Dienstes der Wallonie (DNF). Alle Fraktionen waren sich einig, dass die knappe Personallage auch Auswirkungen auf die Gemeinde Lontzen hat.
Finanzschöffe José Grommes gab im Rahmen der Gemeinderatssitzung den Kassenstand im ersten Quartal des laufenden Jahres bekannt. Dieser betrug demzufolge zum Zeitpunkt des Kontrolldatums (31. März 2026) rund 10,8 Millionen Euro. Die beauftragte Bezirkskommissarin hatte den Kassenstand Anfang Mai geprüft.
Motocross: Abschließende Bewertung steht aus
Schöffin Evelyn Jadin, die unter anderem für den Bereich Sport zuständig ist, gab in ihrer Antwort auf eine Frage von Yannick Heuschen Einzelheiten zur Motocross-Veranstaltung bekannt, die am letzten August-Wochenende in Lontzen stattfand. Heuschen hatte in seiner Frage unter anderem auf einen Zusammenschluss von Anwohnern hingewiesen, die die Nähe des Veranstaltungsgeländes zu einem Natura2000-Gebiet bemängelt hatten.
Aus sicherheitstechnischer und organisatorischer Sicht könne die Veranstaltung als erfolgreich bezeichnet werden, so Jadin. "Unseres Wissens kam es zu keinen Zwischenfällen. Und die mit der Genehmigung enthaltenen Auflagen wurden eingehalten", sagte die Schöffin. Eine abschließende Bewertung gebe es aber noch nicht. In den kommenden Wochen erwartet man zu diesem Thema noch Rückmeldungen von der Polizei, der Hilfeleistungszone und Anwohnern. "Ob eine Wiederholung der Veranstaltung ins Auge gefasst wird, kann ich persönlich zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigen noch ausschließen", sagte Jadin.
Etienne Simar von der Union fragte nach dem derzeitigen Stand des geplanten Neubaus einer gemeinsamen Feuerwache Eupen-Lontzen. Es sei die Ausarbeitung und Erstellung eines Lastenheftes zur Ausschreibung und Bezeichnung eines Projektautors für den Neubau in der Eupener Textilstraße in Auftrag gegeben worden, so Bürgermeister Thevissen. "Es sind die vorbereitenden Arbeiten der administrativen Lastenhefte und der materiellen Lastenhefte, die momentan anstehen", erklärte er. Erst danach könne eine Ausschreibung für einen Architekten vorgenommen werden können, so der Bürgermeister. "Wir sind noch nicht bei der Umsetzung", unterstrich Thevissen. "Ich weigere mich immer, einen Zeitplan zu nennen, wenn noch so viele Ungewissheiten sind", sagte er.
Moritz Korff