Jahrelang war sie wegen Problemen mit der Mechanik verstummt, jetzt kann die Marienglocke von Sainte-Julienne wieder läuten. Die 460 Kilo schwere Glocke erklingt zur vollen und halben Stunde, zum Angelus-Gebet und zur Sonntagsmesse - dank einer neuen automatischen Steuerung. Das regelmäßige Geläut wird im Vervierser Stadtviertel Heusy gut angenommen, freut sich der Präsident der Kirchenfabrik, Gauthier Janssens de Bisthoven: "Das wird total akzeptiert. Wir glaubten, es würde ein Problem sein. Aber die Leute finden es super."
Marie ist die kleinste der drei Glocken von Sainte-Julienne und hängt im Ostturm neben ihrer Schwesterglocke Félicie. Die Glocken wurden 1903 gegossen - kurz nach der Fertigstellung der Kirche, die die reichen Bürger und Textilunternehmer von Verviers 1900 auf den Anhöhen von Heusy vom renommierten Architekten Charles Thirion bauen ließen, erklärt Janssens: "Sie war in einem Jahr und zwei Monaten gebaut und ist aus Stahlbeton gemacht. Es war wirklich die Kirche für das Quartier. Sie wollten nicht mehr nach unten laufen, sondern ihre eigene Kirche haben, und sie haben sie auch selbst finanziert."
Der schnelle Bau hatte seine Nachteile. Mehr als 100 Jahre später zeigten sich große Schäden. Zeitweise war sogar ein Abriss in der Diskussion. Doch dann wurde Sainte-Julienne unter Denkmalschutz gestellt, und auch die Stadtlegende, wonach ein Turm einstürzen würde, konnte widerlegt werden: "Wir haben eine Stabilitätsstudie machen lassen. Die ergab, dass der Turm auf Felsen liegt und ganz stabil ist."
Dennoch stehen viele Renovierungen an. Die Kirchenfabrik ist dabei auf die Unterstützung der wallonischen Denkmalschutzbehörde AWAP, der Stadt Verviers und private Spenden angewiesen. Aktuell werden die wertvollen Bleiglasfenster in der Lütticher Werkstatt Osterrath und Biolley restauriert, nachdem sie Zielscheibe von Vandalismus wurden. Sie gehören neben einem Bilderzyklus des Malers Léon Pringels zum Kunstschatz der Kirche. Wenn die Restaurierung fertiggestellt ist, verschwinden die provisorischen Abdeckungen, und es fällt wieder mehr Licht in den zur Zeit düsteren Kirchenraum.
Probleme macht nach der Hitzewelle im Juni der Boden: Rund 40 Quadratmeter Fliesen haben sich durch die Wärme aufgewölbt, erklärt der Präsident der Kirchenfabrik. "Wir haben das sofort angepackt und restaurieren den Boden sehr schnell mit Unterstützung der AWAP. Parallel läuft die Renovierung des Pfarrhauses. Wir planen Kulturprogramme und ich habe noch viele andere Ideen im Kopf."
Das nächste Ereignis wird die Inbetriebnahme der anderen beiden Glocken sein. Félicie und die fast 1.800 Kilo schwere Marie-Louise sollen Anfang nächsten Jahres wieder läuten. Dann sollen auch die restaurierten Bleiglasfenster zu bewundern sein.
Mehr Infos gibt es auf der Webseite der Kirche Sainte-Julienne.
Michaela Brück





