"Auf jeden Fall geschlaucht und müde", beschreibt Francis Cloth, Kommandant der Hilfeleistungszone DG, die Situation nach Wochen im Einsatz. Die Einsatzkräfte arbeiten seit Wochen in Zwölf-Stunden-Schichten, teilweise bleiben sie 24 Stunden vor Ort. "Jeder Tag ist anders", sagt Cloth. Besonders der Torfboden stellt die Feuerwehr vor enorme Herausforderungen: Auch wenn die Flammen oberirdisch weitgehend verschwunden sind, können sich Glutnester tief im Moor weiter ausbreiten.
Dennoch gibt es inzwischen einen Hoffnungsschimmer. Die Zahl der Brandstellen nimmt ab, der Gefahrenbereich konnte in enger Zusammenarbeit mit dem Forstamt weitgehend abgesichert werden. "Wir haben mehr und mehr, also weniger und weniger Stellen, wo es brennt", erklärt Cloth. Dadurch steigt die Reaktionszeit, und die ständige Präsenz der Feuerwehr wird zunehmend entbehrlich. Bis Ende der Woche soll sie deshalb auf null reduziert werden.
Bis dahin stehen allerdings noch mehrere große Arbeiten an. Wasserreserven werden angelegt, Torf wird an kritischen Stellen entfernt, Sicherheitsbereiche müssen fertiggestellt und weitere Bäume beseitigt werden. "Das sind noch drei bis fünf Tage große Arbeiten", so Cloth. Eine der geplanten Wasserreserven fasst rund 250.000 Liter. Solche Vorräte könnten auch künftig an strategischen Stellen im Venn angelegt werden, um bei neuen Bränden schneller reagieren zu können.
Denn der Einsatz hat nicht nur die Kräfte der Feuerwehr an ihre Grenzen gebracht - auch finanziell ist die Belastung enorm. Allein für die Hilfeleistungszone liegen die ersten Kostenschätzungen bei rund einer Million Euro. Und Cloth macht deutlich: Seine Zone ist nur einer von mehreren beteiligten Partnern. "Ja, das ist ein kostenintensiver Einsatz, ein langfristiger intensiver Einsatz", sagt der Kommandant.
Auch das Material wird durch den wochenlangen Dauereinsatz stark beansprucht. Noch deutlicher wird die Dimension bei den geleisteten Arbeitsstunden: Allein im August kamen bei der Hilfeleistungszone rund 13.000 Einsatzstunden zusammen. Für eine Feuerwehr, deren Material und Personal normalerweise für deutlich kürzere Einsätze ausgelegt sind, ist eine solche Dauerbelastung eine enorme Herausforderung.
Anderes Szenario als bei früheren Bränden
Gleichzeitig laufen bereits die Vorbereitungen für die Zukunft. Wissenschaftler der Universität Gent und der Universität Lüttich sind vor Ort, um den Brand wissenschaftlich zu untersuchen. Prof. Dr. Ir. Jan Baetens von der Universität Gent erklärt, dass unter anderem die tatsächliche Brandfläche mit satellitengestützten Daten verglichen und die vorhandene Vegetation sowie die Tiefe untersucht werden sollen, bis in die das Feuer in den Torfboden vorgedrungen ist.
Gerade darin unterscheidet sich der aktuelle Brand deutlich von früheren Ereignissen. Die Wissenschaftler hatten bereits die Brände von 2011 und 2023 untersucht. Der Brand von 2011 sei kleiner gewesen und habe im Frühjahr stattgefunden. Damals sei das Feuer vor allem oberflächlich geblieben. "Jetzt ist das ein anderes Szenario", sagt Baetens. Das Feuer sei teilweise tief in das Venn eingedrungen - und genau das mache sowohl die Bekämpfung als auch die wissenschaftliche Modellierung schwieriger.
Die Forscher wollen aus dem Brand möglichst konkrete Lehren für zukünftige Einsätze ziehen. Welche Wege konnte das Feuer leicht überwinden? Wo wurde es durch Wege oder andere Strukturen gebremst? Welche Rolle spielen Vegetation, Topografie und die Menge des vorhandenen Brennmaterials? Mit diesen Fragen soll langfristig auch geklärt werden, ob gezielte Pflegemaßnahmen die Ausbreitung eines künftigen Brandes verlangsamen könnten.
Ein erstes Modell zur Simulation der Brandausbreitung existiert bereits. Die vollständige wissenschaftliche Aufarbeitung soll laut Baetens möglichst noch bis Ende dieses Jahres erfolgen. Die Folgen für die Natur werden die Forscher allerdings deutlich länger beschäftigen. "Das ist ein anderes Paar Schuhe", sagt Baetens sinngemäß - die Beobachtung der Erholung werde Jahre dauern.
Mit größeren Bränden leben lernen
Der aktuelle Brand im Venn dürfte ein Wendepunkt sein. Die Erfahrungen aus den Bränden von 2011 und 2023 haben bereits zu neuen Strategien, Fahrzeugen und einer besseren Luftunterstützung geführt. "Ohne diese Erkenntnisse wäre es vielleicht noch ganz anders ausgegangen", sagt Cloth. Gleichzeitig warnt er davor, sich in Sicherheit zu wiegen.
Belgien sei bislang von großen Wald- und Moorbränden vergleichsweise verschont geblieben. Doch mit dem Klimawandel dürfte sich das ändern. "Wir werden lernen müssen, mit größeren Bränden zu leben", sagt Cloth. Vielleicht nicht immer in einer Dimension wie im Hohen Venn - aber mit solchen Ereignissen werde man sich künftig häufiger auseinandersetzen müssen.
Für die Einsatzkräfte bedeutet das zunächst: Noch einige Tage durchhalten. Bis Freitag sollen die großen Sicherungsarbeiten abgeschlossen sein, damit sich die Feuerwehren aus dem Gebiet zurückziehen können. Die Glut im Torf kann zwar noch länger aktiv bleiben, doch die akute Gefahr soll so weit reduziert werden, dass nicht mehr rund um die Uhr Kräfte vor Ort gebunden werden müssen.
Damit ist ein Ende der kräfteraubenden Löscharbeiten nach Wochen des Dauereinsatzes in Sicht - nicht aber die Aufarbeitung. Die Feuerwehr zieht sich zurück, die Wissenschaftler bleiben. Die Rechnung für den historischen Brand beginnt gerade erst sichtbar zu werden.
Christophe Ramjoie








