Ein historischer Standort ist fit für die Zukunft gemacht worden. Wo vom Jahr 1951 bis zum Jahr 2020 Strom mit Kohlekraftwerken produziert wurde, steht nach nur etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit Belgiens neueste Großkraftanlage. Der Energiekonzern Engie hat das hocheffiziente Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk am Montag offiziell in Betrieb genommen.
Laut Energieminister Mathieu Bihet ein guter Tag für die Versorgungssicherheit in Belgien. "Es ist ein Baustein, der die Versorgungssicherheit vervollständigt. Wenn die Sonne untergeht oder der Wind nachlässt, muss man diese Unterbrechung der erneuerbaren Energien und das Fehlen der Atomenergie mit dieser Gaszentrale kompensieren. Es ist ein sehr großes Gaskraftwerk, das aber in der Vermeidung von Kohlenstoffemissionen sehr leistungsstark ist."
Brücke im Energiemix
Mit einer Leistung von 875 Megawatt könnte die Anlage jährlich Strom für mehr als eine Million belgische Haushalte liefern. Laut Engie ist es eine der effizientesten Energiezentralen der Welt, erklärt Engie-Belgium-CEO Vincent Verbeke. "Diese Zentrale ist ein technologisches Meisterwerk. Es ist ein sehr flexibles Werk. Man spricht von einem Wirkungsgrad von 63 Prozent."
"In weniger als einer Stunde kann sie zur vollen Leistung hochgefahren werden. Die Leistung kann innerhalb einer Minute um 50 Megawatt variiert werden. Das macht dieses Werk zu einer optimalen Ergänzung der erneuerbaren Energien. Es steht wirklich an der Weltspitze in Sachen Flexibilität und Effizienz. Wir können sehr stolz sein, so etwas zu haben." Zum Vergleich: Bei voller Auslastung bringt das Werk fast die gleiche Leistung wie ein Atomkraftwerk.
Zukunftsperspektive
Zudem ist die Anlage zukunftsorientiert ausgelegt: Sie kann mit Biogas betrieben werden. Langfristig wird angestrebt, auch CO2-neutral zu werden. Energieminister Bihet und Engie sind sich einig: Der fossile Energieträger Gas bleibt vorerst ein notwendiges Übel. "Wenn die erneuerbaren Energien ohne CO2-Ausstoß nicht liefern, müssen wir das kompensieren", so Bihet.
"Das ist zwar mit Gas, aber viel besser, als Gaszentralen den ganzen Tag laufen zu lassen. Zudem stößt diese Zentrale weniger CO2 aus als ältere Gaszentralen. Man darf nicht alles verwerfen. Es ist eine industrielle und technische Leistung. Aber noch ist es ein notwendiges Übel."
Verbeke ergänzt mit einem Beispiel: "Heute morgen hat die Anlage gegen 10 Uhr aufgehört zu produzieren. Wir haben heute einen sehr sonnigen Tag. Wir brauchen die Anlage von Flémalle in dieser Zeit also nicht. Es ist vorgesehen, dass sie gegen 18 Uhr wieder startet, wenn das Land das braucht."
Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von rund 650 Millionen Euro. Nach einer intensiven Bauphase mit zeitweise bis zu 500 Arbeitskräften sichert das Kraftwerk nun dauerhaft 37 direkte Arbeitsplätze vor Ort. Ein starkes Signal für die regionale Wirtschaft und den Energiemix des Landes.
Manuel Zimmermann











