Nicht um Alarmismus zu betreiben, sondern um auf einen Ernstfall gut vorbereitet zu sein, darum gehe es - betont der Aachener Oberbürgermeister Michael Ziemons. Unter der Überschrift "Aachen wehrhaft und handlungsfähig" - angelehnt an die Sage vom Wehrhaften Schmied - hat er ein Konzept vorgelegt.
Dazu wurden alle Kommunen aufgefordert. Hintergrund ist der Operationsplan Deutschland, ein geheimes Strategiepapier der Bundeswehr zum Schutz von Infrastruktur und zu Truppenverlegungen. Aufgaben, um die man sich jahrelang nicht habe kümmern müssen, müssten nun angegangen werden. Die Besonderheit in Aachen: Aufgrund seiner Lage könnte es zeitweise zur Logistik-Drehscheibe werden.
"Wenn es zu einem Angriff auf die Nato kommen würde, zum Beispiel im Baltikum, dann müssen wir damit rechnen, dass Truppen durch unsere Region ins Baltikum fahren und dass der logistische Nachschub an Material von den Häfen Amsterdam, Rotterdam usw. durch unsere Region ins Baltikum führen würde. Und was ist, wenn auf einmal Straßen und Bahnlinien tagelang gesperrt sind und für militärische Zwecke gebraucht werden? Wie regeln wir dann hier noch den Verkehr?", erklärt Ziemons.
Eine von vielen Fragen, die zu klären sind, bevor es dazu kommt. Im Ernstfall hätten Militärzüge immer Vorrang, Personen und Warenverkehr für die Wirtschaft auf jeden Fall Nachrang. Dann sei jede zusätzliche Bahnlinie wichtig, sagt Ziemons mit Blick in die Grenzregion.
"Auch die Reaktivierung einer Bahnlinie von Stolberg nach Verviers, die wir ja mit der DG-Regierung bei unseren nationalen Regierungen vorantreiben, spielt dann plötzlich eine andere Rolle, weil sie dann Redundanz-Funktion hätte, damit überhaupt noch Personenverkehr im zivilen Bereich funktionieren könnte. Es sind vor allem diese Logistikaufgaben, die auf uns zukommen: Wenn tagelang Straßen und Bahnlinien gesperrt sind, wie regeln wir weiterhin das Leben und den Alltag der Menschen in der Grenzregion?" Auf solche Szenarien müsse man sich in Ruhe und gründlich vorbereiten, betont Ziemons.
"Das betrifft Ostbelgien, die Wallonie und die Niederlande genauso. ... Wichtig ist, gut vorbereitet zu sein und die Frage zu stellen, was das bedeutet. Wir sind damit auch attraktiver als andere Städte und Regionen für hybride Angriffe, einen Stromausfall, einen Cyberangriff. Auch darauf müssen wir uns vorbereiten. Es geht nicht darum, dass hier Bomben fallen. Das ist nicht der Punkt. Das wäre Alarmismus. Aber auf alles andere drumherum müssen wir uns schon vorbereiten."
Darüber habe er auch schon Gespräche mit der DG-Regierung in Eupen geführt, erklärt Ziemons. In Kürze gebe es weitere Termine. Auch mit den föderalen Institutionen in Belgien sowie mit den Niederlanden werde man sich austauschen.
"Wir müssen uns die Frage stellen, was das für unsere Kooperation heißt. Müssen wir die vielleicht nochmal erweitern? Müssen wir für EMRIC, den Verbund für Feuerwehr und Rettungsdienste, Aufgaben hinzunehmen? Ich bin wirklich froh, dass wir einander kennen und uns aufeinander verlassen können, dass wir in der Corona-Pandemie gut zusammen gestanden haben und schon mal erlebt haben, dass wir gut miteinander unterwegs sein können. Und das werden wir jetzt auch tun."
Michaela Brück