Die fünf ostbelgischen Eifelgemeinden sind nicht an das klassische Gasverteilnetz angeschlossen. Haushalte und Betriebe heizen in den Gemeinden Bütgenbach, Büllingen, Amel, Burg-Reuland und St. Vith bislang mit Heizöl, Propangas aus Tanks oder erneuerbaren Energien.
Puratos wollte bereits vor Jahren eine nachhaltigere Alternative zum Heizöl nutzen - und setzt nun auf komprimiertes Erdgas (CNG), das per Lkw angeliefert wird.
Transport mit LKW statt über Pipeline
Der Begriff "virtuelle Pipeline" ist dabei bewusst gewählt: Es handelt sich nicht um eine unterirdische Rohrleitung, sondern um ein logistisches System. Das Gas wird in Stavelot am bestehenden Gasnetz entnommen, komprimiert und in speziellen Containern per Lastwagen nach St. Vith transportiert. Auf dem Puratos-Gelände macht eine mobile Station das Gas wieder betriebsbereit. Für den Endkunden fühlt es sich an wie eine normale Gasleitung - nur dass der Transport über die Straße erfolgt.
Laut Resa-Generaldirektor Gil Simon ist die Technologie an sich "keine Raketentechnik", musste aber erst entwickelt werden. "Dieses Projekt ist technisch gesehen ziemlich einfach. In dieser Größenordnung ist es aber eine Premiere in Belgien", so Simon.
Drei speziell angefertigte Gas-Tanklastzüge können an der neuen CNG-Station in St. Vith beladen und genutzt werden. Jede Ladung reicht laut Resa aus, um zwei Haushalte in St. Vith ein Jahr lang mit Energie zu versorgen.
Puratos spart 1,5 Millionen Liter Heizöl pro Jahr
Für Puratos geht mit dem Projekt ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: nachhaltiger und ohne Heizöl zu produzieren. Bislang verbrauchte der Standort St. Vith zuletzt rund 1,5 Millionen Liter Heizöl pro Jahr.
Franck Cassé, Nachhaltigkeitsdirektor der Puratos-Gruppe, bezeichnet den Umstieg als "Schritt in die richtige Richtung". "Der Umstieg vom nicht gerade sauberen Heizöl auf eine sauberere Energie erlaubt es Puratos, den CO₂-Ausstoß in St. Vith um 25 Prozent zu senken. Wir sehen das als Zwischenschritt, um in Zukunft hier Bio-Gas zu nutzen", so Cassé.
Angebot für weitere Unternehmen
Da der Bau einer physischen Pipeline laut dem Netzbetreiber Resa mit rund 20 Millionen Euro zu teuer und ökologisch bedenklich gewesen wäre, wurde eine sogenannte "virtuelle Pipeline" realisiert. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 7,5 Millionen Euro, wovon die Wallonische Region rund 6,5 Millionen Euro als Förderung beigesteuert hat.
Langfristig soll das Projekt Vorbildcharakter haben. Nach Angaben von St. Viths Bürgermeister Werner Henkes plant Resa bereits, das Modell auf andere Unternehmen und Regionen zu übertragen. Entsprechende Kontakte zu drei bis vier potenziellen Partnern seien bereits geknüpft.
Manuel Zimmermann




