Für die Eupenerin Michèle Ganser war es ein Kindheitstraum, einmal in dem alten Patrizierhaus am Werthplatz zu wohnen. Und er hat sich erfüllt.
Ein Textilfabrikant und Kaufmann hatte es 1744 als Wohn- und Geschäftshaus bauen lassen - vermutlich nach Entwürfen des Aachener Baumeisters Johann Joseph Couven.
Einiges in dem fast 300 Jahre alten Haus ist noch im Original der Barockzeit erhalten. So zum Beispiel die monumentale Holztreppe. Auch der Holzboden ist noch aus dem 18. Jahrhundert sowie die schweren Türen, die mit Schnitzarbeiten verziert sind, und die Wandvertäfelungen im Salon. Zu der wertvollen Rokoko-Ausstattung, die 100 Jahre im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum stand, gehörte auch ein Kamin.
Ein Blick lohnt sich auch in den gepflasterten Innenhof mit den historischen Flügelanbauten. Er ist eng mit der Geschichte der Eupener Textilindustrie verknüpft.
Im Laufe der Zeit hatte das Haus wechselnde Besitzer. Ende des 19. Jahrhunderts beherbergte es eine Likörfabrik mit Schnapsbrennerei und Kolonialwarenhandel.
Das Haus am Werthplatz auch Besuchern zu öffnen, ist für Michèle Ganser eine Herzensangelegenheit. "Das ist mir sehr wichtig. Dieses Haus ist ein Kulturerbe unserer Stadt, und ich habe Respekt vor der früheren Generation, die das hier alles kreiert hat: diese Größe, dieser Dachstuhl - wie haben die das geschafft vor über 300 Jahren?"
Am 12. und 13. September kann man das Haus Mennicken besichtigen - wie viele weitere historische Gebäude in Eupen. Für die Führungen an beiden Tagen ist eine Anmeldung erforderlich: auf der Webseite "Ostbelgien Kulturerbe" oder beim Touristinfo in Eupen.
"Historische Orte, gelebte Räume": Denkmäler in Eupen öffnen ihre Türen
Michaela Brück




