Stoisch steht François Médard im abendlichen Berufsverkehr auf Baraque Michel und malt die abgebrannte Vennlandschaft gegenüber - mit dem nötigen Abstand, denn der Zugang zur Brandfläche ist streng verboten.
Mit den angrenzenden, unberührten Fichten. Mit den Wolken am Himmel. Aber auch mit allen übrigen Details, wie dem Einbahnschild, das die Zufahrt zum Parkplatz regelt - für François Médard ein Symbol der geltenden Zugangsbeschränkungen zum Venn.Und auch mit dem Banner, auf dem in großen Buchstaben den Helfern und Einsatzkräften gedankt wird.
"Heute weiß ich nicht, wohin ich gehen soll, also gehe ich an den Ort, an den ich darf. Und hier gibt es den Kreisverkehr mit dem Einbahnschild dort, und daneben das 'Merci', das wird auf der Leinwand zu sehen sein."

François Médard kommt aus Blégny und kennt das Hohe Venn wie seine Westentasche. Er kommt alle zwei Monate um zu malen, in ganz unterschiedlichen Teilen des Venns. Auch an dieser Stelle bei Baraque Michel hat er schon Bilder gemalt, die ihn jetzt an etwas erinnern, dass er in natura so schnell nicht wieder sehen wird. "Ich komme etwa alle zwei Monate her, um ein Bild zu malen. Von diesem Bereich hier habe ich schon zwei Bilder. Wenn ich sie jetzt sehe, überwältigt es mich und ich sage mir: Wie lange wirst du das so nicht wieder sehen..."
Die abgebrannte Vennfläche erinnert François Médard an eine Mondlandschaft. Gleichzeitig sieht er darin einen Ort der Erinnerung, den er festhalten möchte. Die Erinnerung an das, was war, was zerstört wurde und was wieder aufgebaut wird. "Es ist wie die 'Ebene der Trostlosigkeit' auf dem Mond, wo ich sicherlich nie hinkommen werde. Aber irgendwie ist es genau dieses Ereignis, das für mich stattgefunden hat - es ist ein Ort der Erinnerung an all das, was dort aufgebaut, zerstört, wieder aufgebaut wurde, und was daraus geworden ist und welche Auswirkungen das auf die Menschen hat. Denn die Erinnerung ist da, und wenn man hierherkommt, ist es irgendwie wie beim Gedenken am 11. November."
Der Vergleich des Erinnerungsortes, den François Médard wählt, ist nicht zufällig: Schwerpunktmäßig sucht er Gedenkstätten auf, um sie in ihrem heutigen Umfeld abzubilden. Mit allen Details, bis hin zum Schild, das hinter dem Weltkriegs-Panzer den Besucherparkplatz andeutet. "Meine Arbeit besteht im Allgemeinen darin, dass ich Gedenkstätten besuche, und meine Arbeit ist eine Art Meditation, um, sagen wir mal, die Erinnerung an diese Orte wieder ans Licht zu bringen, die wir vielleicht verloren haben. Ich interessiere mich sehr stark für Geschichte, Geologie, das Studium der Wolken, die Botanik, und deshalb besuche ich oft Orte der Erinnerung, insbesondere die Maginot-Linie und den Atlantikwall, und ich halte die Dinge so fest, wie sie heute sind."
Stephan Pesch