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RTBF-Reportage erhärtet Verdacht, dass eine Landmaschine den Vennbrand auslöste

27.08.202607:1127.08.2026 - 12:45
  • Hohes Venn
  • Vennbrand
Rauch über dem Hohen Venn
Bild vom 14. August: Julien Claessen/BRF

Laut der RTBF verdichten sich die Hinweise darauf, dass der verheerende Vennbrand von einer Landmaschine ausgelöst wurde. Die Sendeanstalt hat den genauen Ort ausfindig machen können, wo der Brand ausgebrochen ist.

Wurde der Brand im Hohen Venn durch eine Landmaschine ausgelöst? Diese Frage stand offenbar schon sehr früh im Raum. Eine RTBF-Reportage scheint diesen Verdacht jetzt noch zu erhärten. Die frankophone öffentlich-rechtliche Sendeanstalt hat den genauen Ort ausfindig machen können, wo der Brand ausgebrochen ist. Und genau dort wurden am 14. August im Auftrag der wallonischen Natur- und Forstverwaltung Mäharbeiten durchgeführt. Also an genau dem Tag, an dem das Feuer ausgebrochen ist. Ob die Landmaschine tatsächlich den Brand ausgelöst hat, müssen aber die zuständigen Ermittlungsbehörden klären.

Bilder von Fallschirmspringer

Es sind wirklich exklusive Bilder, die die RTBF am Mittwochabend präsentieren konnte. Gemacht hat sie Pierre Chouak. Er ist ein passionierter Fallschirmspringer. Und wie der Zufall so spielt, befand er sich am 14. August um die Mittagszeit in einem Flugzeug über dem Hohen Venn. Und er hat dabei offensichtlich mehr oder weniger den Ausbruch des Vennbrands gefilmt.

Er habe die Bilder um genau 13:14 Uhr gemacht. Hier sei schon ein Feuer mit einer dicken Rauchwolke zu sehen, ausgebrochen sei das wohl rund eine halbe bis dreiviertel Stunde vorher. Dennoch: Hier sehe man wohl, wo der Brand seinen Anfang genommen habe, sagte Pierre Chouak in der RTBF-Reportage.

Die Bilder von Pierre Chouak dürften auch für die Ermittler von größter Bedeutung sein. Denn darauf ist tatsächlich der Ursprung des Vennbrands doch sehr genau einzugrenzen. Davon jedenfalls sind die RTBF-Journalisten überzeugt: Wenn man sich die Windverhältnisse an jenem verhängnisvollen 14. August anschaue, und auch die Ausbreitung der Flammen berücksichtige, dann spreche jedenfalls nichts gegen die These, dass dies tatsächlich der Ort ist, an dem alles angefangen hat. Mithilfe von Satellitenbildern gelang es dann auch, die Stelle genau zu identifizieren. Demnach liegt dieser Ort etwa 300 Meter westlich des Mockelkreuzes

Landwirtschaftliches Fahrzeug war im Einsatz

Bei dieser Lokalisierung half ein seltsames gelbes Rechteck, das auch schon auf den Bildern von Pierre Chouak zu sehen ist. Es handelt sich um eine Parzelle, die zur Direktion Malmedy des wallonischen Forst- und Naturamtes gehört. Gelb ist das Gelände, weil es frisch gemäht war. Die Journalisten sind also - wieder mit Hilfe von Satellitenbildern - in die Vergangenheit gereist. Und siehe da: Am 10. August war besagte Parzelle noch grün. Heißt: Zwischen dem 10. und dem 14. August müssen dort Mäharbeiten stattgefunden haben.

Das bestätigte auch Ministeriumssprecher Nicolas Yernaux in der RTBF-Reportage. Am fraglichen Ort sei tatsächlich ein landwirtschaftliches Fahrzeug im Einsatz gewesen. Seit Jahren schon würden an gewissen Orten regelmäßig Mäharbeiten durchgeführt, das diene der Förderung der Biodiversität. "Ob es allerdings einen Zusammenhang gibt zwischen diesem Fahrzeug und dem Ausbruch des Feuers, das müssen die Ermittlungen klären", sagte er. Tatsächlich ermittelt auch die Lütticher Staatsanwaltschaft unter anderem in diese Richtung.

Zeugen bestätigten sogar später gegenüber der RTBF, dass sich besagte Landmaschine noch am 14. August auf der fraglichen Parzelle befunden hat, also in den Stunden vor dem Brandausbruch, allerdings nicht mehr im Moment selbst.

Diese Mäharbeiten werden laut RTBF seit rund zwei Jahren von Subunternehmern durchgeführt, im Auftrag der wallonischen Natur- und Forstverwaltung. Die RTBF-Journalisten haben die fragliche Firma auch tatsächlich ermitteln können. Dort wollte sich aber niemand zu den Vorwürfen äußern.

Stattdessen hat die RTBF aber einen Betrieb ausfindig machen können, der die Maschinen verkauft, die bei solchen Arbeiten eingesetzt werden. In der Regel würde dabei ein Häcksler genutzt, der mit rund 2.000 Umdrehungen pro Minute laufe, sagte Geschäftsführer Jean-Luc Evrard. "Die Werkzeuge kommen dabei direkt mit Holz, Erde und Steinen in Kontakt. Bei der Arbeit in der Nacht sieht man sehr gut, wie durch den Kontakt mit Steinen kleine Funken entstehen können." Er könne jedenfalls nicht verstehen, dass man ausgerechnet in einer solchen Hitze- und Dürreperiode einen Unternehmer mit einer solchen Maschine ins Venn gelassen habe, sagt Evrard.

Der Punkt ist: In der Provinz Lüttich gab es kein ausdrückliches Verbot. Im Gegensatz zur Provinz Luxemburg, wo der Gouverneur Mäharbeiten bis zum 14. August untersagt hatte. Gouverneur Hervé Jamar ist sich aber keiner Schuld bewusst. Man habe eine klare und unmissverständliche Verordnung zur Brandprävention für die gesamte Provinz Lüttich erlassen. "Ich sehe nicht, was ich noch hätte tun können", sagte Jamar in der RTBF.

Das letzte Wort haben natürlich die zuständigen Ermittlungsbehörden. Laut RTBF wurden zwei Sachverständige bestellt: ein Experte für Brandursachen und ein weiterer für Fahrzeugtechnik. Bis die entsprechenden Gutachten vorliegen, dürfte es noch einige Monate dauern, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Quintin: Verantwortliche müssen Verantwortung übernehmen

Sobald geklärt ist, wer oder was den verheerenden Brand im Hohen Venn verursacht hat, müssen diejenigen, die Verantwortung tragen, diese auch übernehmen. Das sagte Innenminister Bernard Quintin (MR) am Donnerstagmorgen in der RTBF. Die Ermittlungen müssten nun den genauen Ablauf des Feuers rekonstruieren. Anschließend müsse geprüft werden, ob alle notwendigen Maßnahmen tatsächlich getroffen worden seien.

Roger Pint

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