Das Hohe Venn ist bekanntermaßen ein sehr beliebtes Wandergebiet. Allerdings dürften sich die Besucher vielerorts erst mal daran gewöhnen müssen, wie stark sich die Landschaft durch den verheerenden Großbrand teilweise verändert hat.
Und eine potenziell überlebenswichtige Regel sollten sich dabei alle zu Herzen nehmen, die im Gebiet unterwegs sind, egal ob Einheimische oder Touristen, egal ob alt oder jung: keine verdächtigen Gegenstände aufheben oder auch nur anfassen. Es könnte sich nämlich um alte Munition handeln beziehungsweise Reste davon. Darauf hat der Gouverneur der Provinz Lüttich bereits in den letzten Tagen aufmerksam gemacht, nun warnt auch der Kampfmittelräumdienst vor der potenziellen Gefahr.
Man hoffe zwar immer, dass sich die Menschen dieser Risiken bewusst seien, so Jacques Callebaut vom Kampfmittelräumdienst gegenüber der VRT, aber leider könne man sich nicht darauf verlassen. Und gerade auch die Region um das Hohe Venn sei in dieser Hinsicht alles andere als ungefährlich.
Altlasten der Weltkriege
Schließlich war das Gebiet in beiden Weltkriegen Aufmarsch- beziehungsweise Durchmarschgebiet für die deutschen Truppen. Und im Zweiten Weltkrieg hat es in der Gegend natürlich schwere Kämpfe im Rahmen der Ardennenschlacht gegeben.
"Wir reden hier auch auf gar keinen Fall nur von einer theoretischen Gefahr", wie der Experte betont. Ungefähr einmal pro Woche müsse der Kampfmittelräumdienst anrücken, um in der Region alte Munition unschädlich zu machen. Wobei es eben gut sein könnte, dass das in Zukunft noch wesentlich häufiger der Fall sein wird.
Bei Bränden kann es nämlich passieren, dass alte Munition zum Vorschein kommt, die bis dahin von der Vegetation verborgen war. Und dann gilt eine einfache Regel, erinnert der Experte. Nicht nur im Hohen Venn, sondern überall und immer in Belgien: "Finger weg und umgehend die Polizei informieren."
Und dann rückt schnellstmöglich der Kampfmittelräumdienst an, um sich um das Problem zu kümmern. Bei nicht dringenden Fällen im Rahmen von routinemäßigen Sammel-Entschärfungen, in Notfällen, etwa wenn eine Granate mitten auf einem Wanderweg liegt, aber auch per Eilprozedur binnen weniger Stunden.
Weil das ist natürlich eine der Hauptaufgaben des Dienstes und es mangelt ihm in dieser Hinsicht wahrlich nicht an Beschäftigung, schließlich ist Belgien bekanntermaßen übersät mit alten Schlachtfeldern, von der deutschen bis zur französischen Grenze.
Begrenzte Mittel
Und die Ressourcen des Kampfmittelräumdienstes sind begrenzt, unterstreicht Callebaut. Man wisse natürlich, wo die Hotspots seien, also Orte, an denen besonders häufig alte Munition entdeckt werde. Aber der Kampfmittelräumdienst habe nicht die Mittel, um diese Gebiete präventiv und systematisch abzusuchen. Deswegen sei man in gewisser Hinsicht auch auf die Mitarbeit und Hilfe der Bürger angewiesen, um Unglücke zu verhindern.
Der Experte will aber auch keine Panik verbreiten. Diese Munition steckt ja schließlich schon seit vielen Jahrzehnten im Boden. Auch Hitze und Brände seien kein Grund, sich in einem Minenfeld zu wähnen, so Callebaut sinngemäß. So etwas wie ein Nullrisiko gebe es natürlich nicht, aber die Gefahr einer spontanen Explosion sei eher klein. Schließlich sei die Munition ja konzipiert, um zumindest begrenzt hitzebeständig zu sein.
Aber ganz ungefährlich sei das Ganze logischerweise nie, besonders nicht, wenn etwa der enthaltene Sprengstoff teilweise freigelegt worden sei im Lauf der Zeit oder die Zünder. Und bestimmte Chemikalien sind besonders riskant, Phosphor zum Beispiel kann sich spontan selbst entzünden und dann kann es durchaus auch schon mal knallen.
Sowas könne immer passieren, warnt der Experte. In dem Sinne: Augen auf beim Spazieren und Wandern. Und wenn man etwas Verdächtiges findet: Sofort die Polizei anrufen und auf Abstand bleiben.
Boris Schmidt