Der Regen in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat den Einsatzkräften im Hohen Venn bei den Löscharbeiten geholfen. Gleichzeitig hat er die Böden stark aufgeweicht. Für die tonnenschweren Einsatzfahrzeuge wird das zum Problem. Auf den schlammigen Wegen können sie stecken bleiben und sind dann nur schwer wieder zu bergen.
Trotz dieser Schwierigkeiten gibt es am siebten Tag des Brandes deutliche Fortschritte. Seit dem Nachmittag gilt das Feuer nach Angaben der Provinz insgesamt als unter Kontrolle. Der Brand ist damit eingekesselt und sollte sich nicht weiter ausbreiten, solange sich die Wetterbedingungen nicht deutlich verschlechtern. Besonders die Ostflanke bleibt allerdings kritisch.
Glutnester können noch lange weiterbrennen
Für die Feuerwehr beginnt damit eine neue Phase des Einsatzes. Statt der akuten Brandbekämpfung geht es nun zunehmend darum, einzelne Brandstellen aufzuspüren und gezielt nachzulöschen. Das kann sich über Wochen oder sogar Monate hinziehen. Denn gerade in den torfigen Böden des Hohen Venns kann sich das Feuer unterirdisch ausbreiten, mehrere Zentimeter, teilweise sogar bis zu einem Meter unter der Oberfläche.
Aus der Luft wird das Gebiet deshalb nach Hotspots abgesucht. Dort müssen die Einsatzkräfte anschließend gezielt nachlöschen. Unterirdische Feuer können Baumwurzeln zerstören und Bäume instabil machen. Stürzen sie um, wird der Boden aufgerissen und Glut oder Flammen können erneut an die Oberfläche gelangen.
Einsatz endet, Arbeit geht weiter
Für einen Teil der Feuerwehrleute aus der Hilfeleistungszone DG ist der Einsatz im Venn vorerst beendet. Nach fast einer Woche Dauereinsatz werden sie nicht mehr unmittelbar bei der Brandbekämpfung eingesetzt. Arbeit gibt es dennoch genug: Fahrzeuge, Schläuche und anderes Material müssen nach dem Einsatz gründlich überprüft und gewartet werden.
"Alles wird nachgeschaut, kontrolliert, geputzt", beschreibt Feuerwehr-Leutnant Freddy Paquet die Arbeiten. "Das ist schon sehr wichtig, dass das Fahrzeug wieder tipptopp in Ordnung ist, wenn der nächste Einsatz kommt." Dazu gehören unter anderem die Kontrolle des Ölstands, die Reinigung der Luftfilter und der Austausch beschädigter oder angebrannter Schläuche.
Ob die Feuerwehrleute aus der DG noch einmal ins Venn zurückkehren müssen, ist derzeit offen. Das hängt davon ab, wie sich der Brand entwickelt und welche anderen Feuerwehren für die weiteren Arbeiten zur Verfügung stehen.
Feuerwehr rettet seltenes Birkhuhn
Eine gute Nachricht gab es am siebten Einsatztag auch aus der Tierwelt: Die Feuerwehr konnte ein Birkhuhn retten. Die Art ist im Hohen Venn selten. Wissenschaftler verfolgen derzeit zwölf Tiere mithilfe von GPS-Sendern. Das gerettete Birkhuhn trug keinen solchen Sender. Nun soll geprüft werden, ob es beringt und damit bereits bekannt ist oder ob es sich möglicherweise um ein Tier handelt, das im Hohen Venn geboren ist.
Von fünf der mit GPS-Sendern ausgestatteten Birkhühner fehlt bislang ein Signal. Noch ist unklar, ob die Sender lediglich keine Verbindung haben oder ob die Tiere dem Feuer zum Opfer gefallen sind.
Olivier Krickel




