Der Großbrand im Hohen Venn stellt für viele Menschen in der Region eine erhebliche psychische Belastung dar. Direkt Betroffene, die ihre Häuser verlassen mussten, ebenso wie Anwohner, die Rauchwolken, Ascheregen oder ungewöhnliche Niederschläge erlebt haben, können mit Ängsten, Sorgen und belastenden Erinnerungen reagieren.
"Helikopterschwärme, der Rauchgeruch oder die undurchsichtige Situation können Emotionen und Erinnerungen hervorrufen, die zur Belastung führen", erklärt BTZ-Geschäftsführer Olivier Warland. Um Betroffenen eine niedrigschwellige Anlaufstelle zu bieten, hat das BTZ seine Zusammenarbeit mit der Telefonhilfe verstärkt.
Menschen, die sich durch die Ereignisse belastet fühlen oder einfach jemanden zum Reden brauchen, können sich anonym an die Telefonhilfe wenden. Sie ist rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche unter der 108 erreichbar. Auch Angehörige können das Angebot nutzen.
Psychische Belastung zeigt sich oft erst später
Gerade Menschen, die evakuiert wurden, stehen zunächst vor anderen Problemen. Unterkunft, Sicherheit und die Sorge um die nächsten Stunden und Tage haben Priorität. Erst wenn die Betroffenen wieder in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren und zur Ruhe kommen, beginnt häufig die Verarbeitung des Erlebten.
"Bei Krisensituationen großen Ausmaßes setzt der Bedarf an Beratung und Betreuung meistens zeitversetzt ein", so Warland. Entscheidend sei, ob die eigenen Ressourcen ausreichten, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Wer merkt, dass die Ereignisse nachwirken, sollte sich Unterstützung suchen.
Der erste Schritt könne dabei bereits das Gespräch mit einer vertrauten Person sein. Auch die Dienste des BTZ stehen zur Verfügung. Die Anonymität sei gewährleistet. Für Menschen, denen ein Telefonat schwerfällt, gibt es zudem die Möglichkeit, über ein Chatsystem Kontakt aufzunehmen.
Auch bereits psychisch belastete Menschen betroffen
Beim BTZ war in den vergangenen Tagen noch kein deutlicher Anstieg bei den klassischen Anfragen festzustellen. Das sei angesichts des kurzen Zeitraums jedoch nicht ungewöhnlich. Gleichzeitig zeigt sich bereits bei Menschen, die zuvor vom BTZ begleitet wurden, ein erhöhter Unterstützungsbedarf. Innerhalb von zwei Tagen gingen drei neue Anfragen für eine Begleitung ein.
Dabei handelte es sich unter anderem um Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen, bei denen sich die Situation durch die Ereignisse offenbar zugespitzt hatte. In diesen Fällen wurde zusätzliche Unterstützung vor Ort organisiert, um die Betroffenen zu stabilisieren.
Auch Einsatzkräfte können Unterstützung benötigen
Nicht nur Anwohner und Evakuierte sind von der Situation betroffen. Auch Feuerwehrleute, Helfer, Landwirte und andere Einsatzkräfte sind seit Tagen teilweise zwölf bis 18 Stunden täglich im Einsatz. Zunächst stehe für diese Menschen die Bewältigung ihrer Aufgaben im Vordergrund, erklärt das BTZ. Mit zunehmender Müdigkeit und nachlassenden Kräften könne die Belastung jedoch wachsen.
Gemeinsam mit dem Netzwerk Mentale Gesundheit und in Abstimmung mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft wurde deshalb ein Krisenteam eingerichtet. Über den Krisenstab sollen Anlaufstellen und Kontaktmöglichkeiten für Einsatzkräfte und Helfer bekannt gemacht werden. Dort stehen auch Psychologinnen und Psychologen für Gespräche und Betreuung zur Verfügung.
Ausführliches Radio-Interview mit Olivier Warland im Player:
Robin Emonts