"Wir wollen sehr konkurrenzfähig sein und ganz oben dabei sein", sagt Nicolas Gavory, der in dieser Saison das Kapitänsamt übernommen hat. Der Franzose sieht die Mannschaft nach der Vorbereitung bereit. Die vielen Testspiele hätten dabei geholfen, die Automatismen mit dem neuen Trainerteam zu entwickeln. Gleichzeitig habe die Mannschaft Mazzus Vorstellungen zunehmend verinnerlicht. "Wir haben sein Spielsystem verstanden und wissen, was er umsetzen will", erklärt Gavory. Besonders der im Vergleich zur vergangenen Saison direktere Ansatz überzeugt ihn. Mazzu stehe für einen pragmatischen Fußball, der schnell nach vorne gehe und nicht in sterilem Ballbesitz ende. "Unser Spiel ist etwas direkter als im vergangenen Jahr und dadurch auch effizienter."
Die Entscheidung, Gavory zum neuen Kapitän zu machen, hat Mazzu bewusst getroffen. Der Trainer wollte den bisherigen Spielführer Rune Paeshuyse von der zusätzlichen Verantwortung entlasten und sieht in Gavory die passende Persönlichkeit für diese Rolle. "Ein Kapitän trägt nicht nur die Binde auf dem Platz", erklärt Mazzu. Er müsse am Leben der Gruppe teilnehmen, Entscheidungen mittragen und Verantwortung übernehmen. Gavory bringe dafür die notwendige Erfahrung und vor allem die Ruhe mit, die Mazzu von einem Führungsspieler erwartet. "Nico ist für mich sehr souverän in allem, was er tut." Gleichzeitig könne er innerhalb der Mannschaft deutlich werden und auf dem Platz auch einmal die Stimme erheben, wenn es notwendig sei. Für Mazzu waren das neben Gavorys Erfahrung die entscheidenden Gründe für die Beförderung.
Gegen Jong Genk wird Gavory seine neue Rolle erstmals in einem Pflichtspiel ausfüllen. Dabei erwartet Eupen keinen Gegner, den man aufgrund seines Status als U23-Mannschaft unterschätzen darf. Mazzu warnt ausdrücklich vor der Qualität der jungen Genker Mannschaft. Mit dem neuen Wettbewerbsformat seien die U23-Teams stärker in den sportlichen Wettbewerb eingebunden. Sie müssten nicht mehr ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Ausbildung betrachtet werden, sondern könnten selbst unter erheblichem Ergebnisdruck stehen. "Man muss den größten Respekt vor diesen Mannschaften haben", sagt Mazzu. Die Spieler kämpften nicht nur um die Zukunft ihres Vereins, sondern auch um ihre eigene Karriere.
Damit dürfte die Partie für Eupen auch eine Geduldsprobe werden. Mazzu weiß, dass seine Mannschaft noch nicht am Ende ihrer Entwicklung steht. Der Kader ist zwar komplett, doch die Integration in das neue System ist noch nicht abgeschlossen. "Ich denke sehr ehrlich, dass wir noch nicht so weit sind, wie ich es gerne hätte", räumt der Trainer ein. Gleichzeitig sieht er eine wichtige Stärke: die Ausgeglichenheit des Aufgebots und die Konkurrenz auf den einzelnen Positionen.
Gerade zum Saisonstart könnte diese Breite ein entscheidender Faktor sein. In der Vorbereitung konnte Mazzu noch rotieren und allen Spielern Einsatzzeiten geben. Gegen Jong Genk beginnt nun die Phase der klaren Entscheidungen. "Jetzt kommen wir zu den echten Entscheidungen", sagt der Trainer. Erst im Pflichtspiel werde sich zeigen, ob die Mannschaft auch dann als Einheit funktioniert, wenn nicht jeder Spieler zum Einsatz kommt. Für Mazzu ist das ein zentraler Punkt: Eine Mannschaft, die um den Aufstieg oder die vorderen Plätze spielen will, müsse vor allem als Kollektiv funktionieren.
Auch deshalb richtet sich der Blick beim Auftakt nicht nur auf das Ergebnis, sondern auf die Art und Weise, wie Eupen auftritt. Der Trainer möchte eine Mannschaft sehen, die seine Vorgaben umsetzt, in den entscheidenden Situationen geschlossen auftritt und die nötige Intensität in die Zweikämpfe und Umschaltmomente bringt. Gavory formuliert die Erwartung an seine Mitspieler noch einfacher: "Wir spielen jedes Spiel, um es zu gewinnen." Der Gegner spiele dabei zunächst keine Rolle.
Für Eupen ist Jong Genk damit ein erster Test unter realen Bedingungen. Die Vorbereitung hat Vertrauen geschaffen, doch erst der Saisonauftakt wird zeigen, wie belastbar die neuen Abläufe sind. Der Anspruch ist klar: Eupen will nach oben. Der Aufstieg wird offen als Ziel formuliert, gleichzeitig mahnen Mazzu und Gavory zu Geduld, denn die Saison wird lang und schwer.
Christophe Ramjoie