Eigentlich sollte hier die Welt noch in Ordnung sein. In den Tälern der Hochardennen sind viele Bachläufe noch gut erhalten. Wasser fließt reichlich - eigentlich. Denn auch hier setzt die Trockenheit den Bächen langsam zu.
Sammy Lejoly vom Flussvertrag Mosel kennt das Gebiet gut und schaut regelmäßig nach dem Zustand der Wasserläufe. "Ich habe so einen Zustand noch nie erlebt. Man kann das hier sehr leicht sehen. Hier ist keine Strömung mehr, kein Sauerstoff mehr im Wasser und die Temperatur geht immer höher. Da kommen viele Faktoren zusammen."
Für die Tier- und Pflanzenwelt der Bäche hat das tödliche Konsequenzen. "Die einheimischen Fische sterben gerade. Hier gibt es eigentlich viele Bachforellen und Elritzen. Weil hier kein Wasser mehr fließt, werden die in kleine Pfützen gepfercht. Wenn die Temperatur so hoch bleibt, werden wir viele tote Fische sehen."
So verändert die Trockenheit unsere Umgebung nachhaltig. Arten sterben aus, andere kommen nach. Das ist eigentlich ganz natürlich, aber "diese exotischen Arten verdrängen die Einheimischen. Insgesamt sinkt die Biodiversität. Man findet viel weniger Arten und manchmal gar keine einheimischen mehr."
Das Problem ist laut Lejoly nicht nur die Trockenheit, sondern auch unsere Landnutzung. "Wir haben zu lange die Flüsse begradigt und den Boden entwässert. Und jetzt zahlen wir den Preis dafür."
Dass es auch anders geht, sieht man in einem kleinen Naturschutzgebiet am Colvenderbach. Der Fluss schlängelt sich durch einen kleinen Auwald. Die Ufer sind mit Bäumen bewachsen. Das Wasser ist klar und fließt noch, außerdem gibt es viele Verstecke. Hier findet man Arten, die andernorts vom Aussterben bedroht sind - zum Beispiel Groppen. "Diesen Fisch sieht man immer weniger, denn er braucht sehr frisches und sehr sauberes Wasser."
Die Flussverträge kämpfen mit wenig Mitteln gegen eine enorme Herausforderung. Sie können sensibilisieren und kleinere Projekte durchführen, aber um Schäden durch Trockenheit zu vermindern, braucht es mehr. "Wir müssen unsere Lebensräume anders denken. Wir müssen unbedingt das Wasser halten, nicht nur auf zwei-drei Plätzen in Naturschutzgebieten, sondern überall, in der gesamten Landschaft. Dann werden wir vielleicht Resultate sehen. Weil wenn wir kein Wasser mehr in den Flüssen haben, heißt das langfristig auch, dass wir kein Trinkwasser mehr haben."
Anne Kelleter






