Wir reisen zurück in das Verviers des 19. Jahrhunderts. Der Architekt Charles Thirion lässt den Theater-Palast im neo-klassischen Stil errichten. "Zu dieser Zeit ist Verviers die zweitreichste Stadt Belgiens. Es gibt Antwerpen, Verviers und erst dann kommen alle anderen Städte", erklärt der Kulturschöffe von Verviers, Jean-François Chefneux.
Mehr als 120 Jahre wird das Grand Théâtre bespielt. Das Vervierser Haus ist größer als die Monnaie in Brüssel oder das Theater in Namur. Doch 2015 erfolgt dann ein abruptes Ende: Schwere Deckenteile lösen sich und das Gebäude wird gesperrt.
Seit drei Jahren nun laufen die Renovierungsarbeiten. "Wir haben jetzt mehr als die Hälfte der vorgesehenen Arbeitszeit geschafft. Und es geht sehr gut voran. Und in zwei Jahren können wir uns hier treffen und eine der modernsten Bühnen Belgiens sehen", ist der Kulturschöffe Chefneux zuversichtlich.
Jeden Tag werkeln hier mindestens 40 bis 50 Menschen. Der auf Restaurierungen spezialisierte Bau-Riese Denys ist federführend bei den Arbeiten. Fast 50 Millionen Euro werden hier verbaut. Dabei orientieren sich die Arbeiten detailgenau an den historischen Vorgaben.
Hin und wieder kommen vergessene Details wieder zum Vorschein: so wie ein historischer Spiegel, der lange verbaut war. Nun wurde er offengelegt. Durch den Spiegel können die Gäste einen diskreten Blick ins Foyer werfen, ohne selbst gesehen zu werden.
Das Herzstück des Theaters ist natürlich der Theatersaal. Bis zu 1.000 Sitzplätze wird der renovierte Saal fassen. Ausgestattet ist er mit neuester Technik. Unter anderem mit beweglichen Elementen, die nach Bedarf den Saal vergrößern oder verkleinern. Damit nicht genug: Neben dem historischen Teil ist ein Neubau entstanden. Mit viel Glas und einem zweiten Saal.
"Diese beiden Bühnen werden entweder zusammen funktionieren. Zum Beispiel durch Vorführungen bei denen das Publikum auf beiden Seiten sitzen kann. Oder wir öffnen alles. Zum Beispiel für große Empfänge", sagt Jean-François Chefneux. Natürlich sollen die beiden Bühnen auch unabhängig voneinander funktionieren. Und das sogar im Parallelbetrieb.
Und so hofft die Stadt Verviers, dass das neue Theater an alten Glanz anknüpfen kann. Das Potential ist da. 2028 soll es so weit sein.
Simonne Doepgen









