Urlaub mit dem Fahrrad wird in Ostbelgien immer beliebter. Damit Touristen sich besser zurechtfinden, gibt es das Knotenpunktsystem. "Die Idee dazu stammt aus Flandern", erzählt Laura Dohogne vom Tourismusservice des Provinz Lüttich. "Ein ehemaliger Bergbauingenieur fand, dass das System, mit dem man sich in den unterirdischen Galerien zurechtfand, sehr nützlich war. Er hat es dann auf den Fahrradtourismus angewandt."
"Die flämische Provinz Limburg hat Ende der 90er Jahre das erste Fahrradknotenpunktsystem entwickelt, heute sind in ganz Flandern Wege ausgezeichnet. In Ostbelgien gibt es seit mehr als 20 Jahren so ein Netz. In der Wallonie sind Wege ausgezeichnet, in den Niederlanden und in Westdeutschland auch. So kann man auch über die Grenzen hinaus auf dem Wegenetz reisen."
Das Prinzip ist einfach: An jeder Kreuzung des Fahrradwegnetzes ist ein Knotenpunkt. Dazwischen weisen Schilder den Weg. Allein im Osten von Belgien gibt es über 800 Kilometer markierte Fahrradwege. Die Wege werden so ausgewählt, dass sie an interessanten Orten vorbeikommen, seien es Aussichtspunkte, Gaststätten oder kulturelle Highlights.
Und weil sich seit der Entstehung der ersten Knotenpunkte im Jahr 2004 einiges verändert hat, wurden mit der neuen Beschilderung auch die Strecken neu gedacht. Manche Abschnitte wurden verlegt, andere neu geschaffen. Im Süden der DG gibt es seit diesem Sommer zum Beispiel 75 Kilometer neue Wege an der Grenze zur Provinz Luxemburg.
"Jetzt haben wir ein kohärentes Netz, auch zur Wallonie hin. Das ist für uns ein absoluter, touristischer Mehrwert. Durch das E-Bike spielen Hügel und Berge auch keine so große Rolle mehr und wir stellen fest, dass immer mehr Menschen kommen und alle Strecken genutzt werden", sagt Dany Heck von der Tourismusagentur Ostbelgien.
Einziger Unterschied zu vorher: auf den neuen Knotenpunktschildern gibt es keine Karten mehr, laut Heck ist das Absicht. "Das ist eine bewusste Entscheidung gewesen, da die meisten Menschen ja heute digital unterwegs sind. Außerdem müssen die Karten im Gelände ständig aktualisiert werden. Man müsste sie bei jeder Änderung alle austauschen. Das ist ein zusätzlicher Kostenpunkt und heute eigentlich nicht mehr nötig, deshalb haben wir darauf verzichtet."
Wer eine Route planen will, braucht also entweder eine Karte auf Papier oder die kostenlose App. Das geht in wenigen Minuten, indem man die Punkte auf der Karte auswählt, an denen man gerne vorbeifahren möchte.
Ende August wird das komplette Wegenetz in Ostbelgien neu beschildert sein. "Im Osten von Belgien ist quasi alles fertig, es fehlen nur noch rund zehn Kilometer in Richtung Ouren. Die werden 2027 neu markiert. Auf Provinzebene bleiben noch einige Löcher: Das Wesertal und das Ourtal, das Plateau des Condroz, die Agglomeration von Lüttich. Die nächste Baustelle ist die Grenzregion zu den Nachbarprovinzen Wallonisch-Brabant und Namur", sagt Laura Dohogne.
Das gesamte Fahrradknotenpunktnetz wird übrigens regelmäßig kontrolliert. Das machen Freiwillige. Sie signalisieren, wo es ein Problem gibt. Die Reparaturen machen dann Arbeiter der Provinz Lüittich. Für Ostbelgien werden noch Freiwillige gesucht. Wer Interesse hat, kann sich bei der Tourismusagentur Ostbelgien melden.
Die Karte zum Knotenpunktsystem gibt es für zwei Euro in den Tourist-Info-Stellen der Region. Die Routenplanerapps und weitere nützliche Infos sind auf der Webseite der Provinz Lüttich verzeichnet.
Anne Kelleter