Es sind gut ein Dutzend Motive, die Joschua Heyen ausgewählt hat. Das Ungewöhnliche: Er zeigt sie in jeweils doppelter Ausführung. Auf der linken Seite eine ältere Aufnahme seiner Eltern, auf der rechten Seite ein eigenes Bild aus dem persönlichen Archiv.
Neben der gleichen Motivauswahl sind auch Bildausschnitt, Komposition und Perspektive auffallend ähnlich. Für den Fotografiestudenten aus Eibertingen "war es schon überraschend, weil ich dachte, ich hätte meinen fotografischen Blick selbst erarbeitet. Im Nachhinein stellt sich raus: Fotos, die ich gemacht habe, haben meine Eltern schon vor 30 Jahren gemacht."
Seit einem Jahr studiert Joschua Heyen im spanischen Valencia Fotografie. Ein Studienprojekt zum Thema "Erbe" hat ihn auf die Suche nach älteren Familienfotografien gebracht, die er dann seinen bereits vorhandenen Aufnahmen gegenübergestellt hat. "Ich habe kein Foto nachgemacht. Die meisten habe ich vorher noch nicht einmal gesehen. Erst für das Projekt habe ich bei meinen Eltern nachgefragt, mir mal ein paar ihrer Aufnahmen zu schicken. Dann habe ich ihr Archiv mit meinem verglichen und Ähnlichkeiten wiedererkannt und daraus Bilderpaare entwickelt."
Zum Beispiel Aufnahmen vom heimischen Garten mit Wäscheständer, Urlaubserinnerungen aus dem Süden oder Stadtperspektiven. Bis auf ein Bild handelt es sich nur um analoge Aufnahmen.
Joschua Heyen arbeitet mit einer Kamera, die auch seine Mutter früher benutzt hat. Der 22-Jährige fotografiert am liebsten analog: "Ich bevorzuge die analoge Fotografie, weil es auch etwas Physisches ist. Bei digitaler Fotografie existiert das Foto nur in der Datei, und bei der analogen Fotografie hat man noch das Negativ und den Film. Es ist einfach etwas zum Anfassen."
Er hat seiner kleinen Ausstellung den Titel "You Have Your Mom's Eyes" gegeben ("Du hast die Augen deiner Mutter"). Sein kreativer Bildervergleich hat ihn auch zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema Identität geführt und zu der Erkenntnis, "dass man Charakterzüge, Eigenschaften und Gewohnheiten erbt. Wenn man sich nicht damit beschäftigt, ist es einem am Anfang gar nicht klar. Vielleicht hilft das Projekt dabei, darauf zu blicken und zu erkennen, was man von den Eltern geerbt hat.
Den Blick auf Fotografien zweier Generationen zeigt die "Stille Post"in St.Vith diese Woche von Donnerstag bis Samstag zu ihren Öffnungszeiten - am Freitag bereits ab 13 Uhr.
Michaela Brück









