Der Eupener Postmeister Rutsch beschreibt die Kupfermühle im Jahr 1879. "Wir wollen hier (an der Bellesforter Brücke) den Stoul-Weg verlassen und […] versuchen, immer ohnweit des linken Ufers der Weser durch das Labyrinth von alten Wegen, Gräben und Sümpfen […] thalaufwärts vorzudringen, bis wir in etwas 15 Minuten zu altem Mauerwerk und Wasserleitungsanlagen gelangen, in welchen wir die Überreste eines hier in Betrieb gewesenen Kupferhammers vor uns haben."
Auch der Ehrenpräsident des Geschichtsvereins Eupen, Heinz Godesar, hat sich mit der Kupfermühle beschäftigt und die Ruinen besucht. "Die Kupfermühle wurde am Zusammenfluss von Eschbach und Weser gebaut. Das lag daran, dass der Eschbach die Grenze zwischen Herzogtum Jülich und Herzogtum Limburg war", erklärt Heinz Godesar.
"Als die Herzöge von Jülich 1765 ein Ausfuhrverbot für Kupfer verhängten, errichteten findige Stolberger Kaufleute eine Kupfermühle direkt hinter der Grenze und brachten ihr Rohmaterial und auch halbfertige Erzeugnisse hier hin. So konnten sie ihre Waren weiterhin nach Limburg exportieren", erzählt der Hobby-Historiker.

Alte Karten wie der Atlas Ferraris aus den 1770er Jahren zeigen, wie die Kupfermühle angelegt war. Ein Kanal führte das Wasser zu zwei Stauteichen. Daran jeweils ein Wasserrad und ein Gebäude, wo wahrscheinlich die Hämmer und Schmelzöfen untergebracht waren.
Viel sieht man nicht mehr von der ehemaligen Mühle, aber wir finden weitere Steinhaufen, farbliche Ablagerungen, die Kupfer sein könnten und Mauerreste an einem Kanal. Wir wünschen und beide Experten, die unsere Mutmaßungen überprüfen könnten, aber das ist bisher nicht passiert. Trotzdem bleibt es eine aufregende Spurensuche. "Die Technik, die hier verwendet wurde, ist uralt und man kann der Erfindungsgeist unserer Altvorderen nur bewundern", meint Godesar.
Weil in der Nähe der Kupfermühle nur wenig Kupferschiefer gefunden wurde, gibt es die Theorie, dass die Hämmer hier vor allem geschmuggelte Messingplatten aus Stolberg weiterverarbeiteten. Messing besteht aus Kupfer und Zinkerz, daher der Name der Kupfermühle.

Dass die Reste ihrer Konstruktion noch mehr als 200 Jahre später erkennbar sind, ist erstaunlich. "Ich fand es sehr interessant, nochmal hier her zu kommen und es nach all den Jahren nochmal zu sehen. Als ich vor rund 20 Jahren das letzte Mal da war, gab es noch einige Ziegelmauern, aber die sind jetzt wohl überwuchert", sagt Godesar.
Die Kupfermühle im Raerener Wald wurde wahrscheinlich Ende des 18. Jahrhunderts aufgegeben. Auf der Tranchot-Karte, die Anfang des 19. Jahrhunderts unter Napoleon erstellt wurde, ist sie nur noch als Ruine zu sehen.
Statt Hammerschlägen hört man heute nur noch Wasserplätschern an der Mündung des Eschbachs. Heinz Godesar wünscht sich, dass die Erinnerung an die Mühle trotzdem im kollektiven Gedächtnis bleibt.
Anne Kelleter