Die Wohlfühltemperatur von Kühen liege deutlich unter den aktuellen Werten, erklärt Ingrid Mertes, Geschäftsführerin des Bauernbundes. Entscheidend sei dabei aber nicht nur die Temperatur. "Die Temperatur ist nicht alleine der ausschlaggebende Faktor. Da kommen die Luftfeuchtigkeit und auch die Luftströmung noch ins Spiel", sagt Mertes. Während 25 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von zehn Prozent für Kühe noch gut zu verkraften seien, werde es bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit bereits ab 20 Grad belastend.
Wie stark Tiere unter der Hitze leiden, hängt außerdem von ihrer Rasse, ihrem Alter und ihrem Gesundheitszustand ab. Anzeichen für Hitzestress seien eine deutlich erhöhte Atemfrequenz, Hecheln und eine herausgestreckte Zunge. Leidet eine ganze Herde unter der Hitze, sinkt zudem die Milchproduktion.
Erleichterung durch Abkühlung und Ventilation
Um den Tieren Erleichterung zu verschaffen, setzen Landwirte auf Schattenplätze und eine gute Luftzirkulation.
Auch im Stall gibt es Möglichkeiten, die Bedingungen zu verbessern. "In den Ställen kann man zum Beispiel durch Ventilatoren eine Luftzirkulation herbeiführen. Man kann durch Vernebelung auch eine gewisse Erleichterung haben. Andererseits kann das in geschlossenen Bereichen die Luftfeuchtigkeit anheben", erklärt Mertes. Dadurch könne wiederum die Keimbelastung steigen.
Ein Patentrezept gebe es deshalb nicht. Vielmehr müssten Landwirte je nach Infrastruktur die passende Lösung finden.
Mehr Arbeit aufgrund der Hitze
Die Hitze sorgt außerdem für zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Landwirte. Kühe benötigen mehr Wasser, das häufig durch zusätzliche Fahrten bereitgestellt werden muss. Auch die Fütterung ist aufwendiger, weil auf den Weiden weniger wächst. "Im Moment wächst es sehr schlecht auf den Weiden. Das heißt, man hat sehr viel Tierumtrieb, muss wieder frische Weiden suchen. Es muss dann auch beigefüttert werden. Das sind alles Arbeiten, die man sonst nicht in dem Maße hat", sagt Ingrid Mertes.
Sie erklärt außerdem, dass sich die langanhaltende Hitze auch auf die Sterblichkeit von Kühen ausgewirkt hat: "Es ist eindeutig ein Zusammenhang zwischen den hohen Temperaturen über längere Zeit und der Sterblichkeit. Das sind Wiederkäuer, das sind Säugetiere, die dem gleichen Phänomen unterliegen wie wir Menschen auch."
Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die Landwirtschaft zunehmend mit Maßnahmen, um Tiere besser auf längere Hitzeperioden vorzubereiten. Dazu gehört unter anderem auch energiereicheres Futter, da Kühe bei hohen Temperaturen mehr Energie verbrauchen.
Radio-Interview mit Ingrid Mertes im Player:
Lena Orban
Leider Traurige Realität.
Jetzt spätestens sind die Beamten gefordert, den Landwirten die Mittel per Dekret der Foederation zur Verfügung zu stellen für überlebensfähiges Stallumfeld. Einschließlich Sprinkler und Klimaanlage.
So wie es Pflicht muss für alle Altenheime, Pflegeheime, Obdachlosenunterkünfte und Sozialen Wohnungsbau.
Artgerechte Haltung bleibt "Menschenrecht"!