Wie kann eine Gesellschaft sich vor Hochwasserereignissen schützen? Und wie kann man möglichst niedrigschwellig an das Thema heranführen? Mit diesen Fragen setzt sich die Designstudentin Mette Maibaum in ihrem Hochwasser-Brettspiel "Overflow" auseinander. Sie selbst erlebte die Flut 2021 in ihrer Heimat Roetgen.
"Wir waren ja damals auch schwer betroffen. Zum Glück nicht mit vielen Lebensopfern, aber es gab hohe materielle Schäden", erinnert sich die Studentin. "Es gibt in der Forschung den Begriff 'Hochwasserdemenz' und das habe ich dann auch bei uns, bei den Bürgern, beobachtet, dass das Problem in dem Moment viel Aufmerksamkeit bekommen hat, aber so eine langfristige Auseinandersetzung hat gefehlt und fehlt auch immer noch."
"Dann hab ich mich gefragt, wie man Menschen dazu motivieren kann, sich langfristig mit so einem Thema auseinanderzusetzen. Da dachte ich mir, dass ein Brettspiel die perfekte Möglichkeit dafür ist. Die meisten Menschen spielen gerne und dann dieses Thema in etwas Spaßiges zu verpacken, dass es vielleicht auch nicht mehr so bedrückend ist, ist vielleicht ein Weg, diese Auseinandersetzung anzuregen."
Bei "Overflow" wird nicht gegeneinander, sondern gemeinsam gespielt. Das Ziel: Ein mögliches Hochwasser verhindern oder zumindest das Risiko zu verringern. Um das zu schaffen, müssen die Spielerinnen und Spieler möglichst viele positive Schutzmaßnahmen auf dem Spielbrett umsetzen.
"Das ist aber nicht immer möglich, weil die positiven Maßnahmen auch Geld kosten, so wie in der Wirklichkeit auch. Rückhaltebecken kriegt man nicht kostenlos und so muss man dann eben auch teilweise Risikofaktoren, wie Industrie und Straßen, legen, damit man dieses Geld rein bekommt, um dann positive Maßnahmen für den Hochwasserschutz legen zu können", erklärt Maibaum.
Alle drei Minuten verändert sich die Situation auf dem Spielbrett. Starkregen oder andere Klimaereignisse können das Risiko für die Spieler erhöhen, während Förderprogramme oder Renaturierungsmaßnahmen für Entlastung sorgen. Ein Risiko-Pegel zeigt an, ob die Gruppe das Hochwasserrisiko erfolgreich begrenzen kann.
Die fiktive Spiellandschaft orientiert sich an der Region rund um Aachen mit einem Mittelgebirge und Flachland. Gleichzeitig sei das Spiel aber überall einsetzbar, betont Maibaum. Hochwasser könne schließlich nicht nur an großen Flüssen oder an der Küste entstehen, sondern auch an kleinen Bächen oder durch Starkregen.
Unterstützt wurde die Studentin bei der Entwicklung des Spiels unter anderem vom Institut für Wasserwirtschaft der RWTH Aachen. Gemeinsam mit Forschenden entwickelte sie das Spiel durch Fachgespräche und Testläufe weiter. Inzwischen ist aus einer ersten Pilotversion eine deutlich erweiterte Fassung entstanden.
Noch arbeitet Mette Maibaum an einzelnen fachlichen Details. Langfristig könnte "Overflow" dann aber auch in der Bildungsarbeit eingesetzt werden. Anfragen von Ministerien oder Forschungsprojekten hat es schon gegeben.
Lindsay Ahn


