Am Donnerstag hat die Polizei die Neuerung in Vottem bei Lüttich offiziell vorgestellt. Für Roger Deraideux, Leiter der Forensik und Kriminalanalyse der föderalen Kriminalpolizei Eupen, ist es ein entscheidender Schritt für eine modernere Verbrechensbekämpfung.
Spurensicherung und Labor streng getrennt
Das in der Deutschsprachige Gemeinschaft zuständige CSI-Team (Crime Scene Investigation) der föderalen Kriminalpolizei Eupen besteht aus sechs Mitarbeitern. Vom einfachen Einbruch über verdächtige Todesfälle bis hin zur Schießerei ist die Spurensicherung vor Ort aktiv. Doch die Arbeit hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert.

Früher wurden die Spuren von den einzelnen Polizeidiensten selbst ausgewertet. Um die Qualität auf ein neues Level zu heben, hat die föderale Kriminalpolizei die Aufgaben inzwischen strikt getrennt: Die CSI-Teams sichern die Spuren direkt am Tatort. Die FPL (Forensic Police Laboratories) übernehmen die Analyse im Labor. Fünf dieser Labore gibt es im ganzen Land: in Brüssel, Gent, Antwerpen, Charleroi und Vottem.
Das Labor in Vottem ist für die Gerichtsbezirke Lüttich und Eupen sowie für Namur und Luxemburg zuständig. Alle fünf Labore sind nun offiziell nach der strengen Qualitätsnorm ISO/IEC 17025 akkreditiert. "Das hat den Vorteil, dass jetzt überall in Belgien gleich gearbeitet wird. Ob ich eine Spur in Ostende oder Eupen finde, die Spuren werden gleich behandelt", sagt Roger Deraideux.
Absolute Präzision entscheidet
Wie diese standardisierte Arbeit konkret aussieht, zeigt ein fiktiver Fall in Vottem: Das Opfer wurde mutmaßlich vergiftet, als Beweismittel dient eine gesicherte Bierbüchse.
Bereits bei der Annahme im Labor entscheidet absolute Präzision über den Erfolg vor Gericht. Hätten die Beamten am Tatort im Bericht fälschlicherweise eine "Glasflasche" oder eine falsche Biermarke eingetragen, würde das Beweisstück sofort zurückgewiesen. Jede Kennzeichnung muss fehlerfrei sein, da sie sonst vor Gericht als wertlos eingestuft werden könnte.
Erst danach beginnt die eigentliche Spurensicherung. Auf der glatten Blechbüchse werden Fingerabdrücke ganz anders gesichert als beispielsweise auf saugfähigem Papier - hier kommen spezielle Pulver oder spezielle Chemikalien zum Einsatz. Zum modernen Repertoire gehören DNA-Spuren wie Speichel, Hautschuppen oder Blut, aber auch digitale Spuren, Faserspuren von Kleidung, Schuhabdrücke oder mikro-chemische Rückstände von Gift und Pulverdampf.
Jede dieser Methoden ist streng validiert, um das Vertrauen der Justizbehörden in die wissenschaftlichen Ergebnisse zu stärken. Deraideux: "Ich bekomme nicht eine Spur aus dem Zauberhut, sondern kann ganz genau nachweisen, wie diese Spur behandelt worden ist und welchen Weg sie gemacht hat, um nicht kontaminiert zu werden".
Leichterer Datenaustausch über die Grenzen hinweg
Diese wissenschaftliche Sicherheit erleichtert auch die internationale Zusammenarbeit im Rahmen des Prüm-Vertrags - ein wichtiger Punkt, da Kriminalität nicht an Staatsgrenzen haltmacht. "Es geht weit über unsere Grenzen hinaus und da müssen wir auch Spuren mit den Nachbarländern abgleichen können. Und da die Nachbarländer auch mit dieser ISO-Norm arbeiten, ist es jetzt wesentlich einfacher, diese Spuren auch mit dem Ausland abzugleichen", so Deraideux.
Dank der standardisierten Verfahren können DNA-Profile und Fingerabdrücke nun viel schneller und vor allem rechtssicherer mit den Nachbarstaaten ausgetauscht werden.
Hoffnung für ungelöste Fälle
Rund 8.000 Beweisstücke werden derzeit pro Jahr im System des FPL Vottem erfasst. Nach der Analyse kehren sie zur langfristigen Aufbewahrung in die Asservatenkammern der einzelnen Justizbehörden zurück.
Da sich die Forensik in den kommenden Jahren noch weiterentwickeln kann, besteht die berechtigte Hoffnung, dass durch verfeinerte Methoden in Zukunft auch der eine oder andere alte, bislang ungelöste Fall doch noch aufgeklärt werden kann.
Manuel Zimmermann



