Annette und Gerd Keller haben ihr Hotel nach der Flutkatastrophe im Juli 2025 wieder instandgesetzt und dabei auch in Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser investiert. Bevor es in den Urlaub geht, sichern sie das Untergeschoss des Hauses vor dem möglichen Eindringen von Wasser - egal wie die Wettervorhersage lautet.
Denn Gerd und Annette Keller wollen in Ruhe wegfahren können. "Es sieht drollig aus, wenn es 30 Grad sind und man hat Wasserschutzwände eingebaut. Aber das ist einfach nur für das beruhigende Gefühl, wenn nochmal so etwas passiert, dass man dann Vorkehrungen getroffen hat", sagt Gerd Keller.
Denn was sie in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 erlebt haben, wollen sie nicht noch einmal mitmachen. Es war nicht das erste Hochwasser in Schönberg, aber das schlimmste. Wie auch an anderen Stellen des Ourtals trat der Fluss hier über die Ufer und schoss dröhnend durch das Dorfzentrum bis zum Hotel der Familie Keller.
Annette Keller und ihr Sohn hörten das Rauschen. Es war gegen Mitternacht. "Wir gingen in den Keller. Dann knallten unten die Deckel von den Abflüssen, und das Wasser kam geschossen. In zwei Minuten stand ich bis zur Hüfte in Wasser", erinnert sich Annette Keller.
"Dann kam die Feuerwehr zu den Nachbarn und holte die Leute mit kleinen Boten aus den Häusern raus. Rundherum war Wasser. Sie konnten nicht rauspumpen. Wohin auch? So mussten wir warten, bis das Wasser von alleine abzog. Dann sahen wir, was da los war."
"Am Morgen danach waren viele freiwillige Helfer da", sagt Gerd Keller noch immer bewegt, wenn er daran denkt. Seine Frau Annette kannte sie nicht einmal: "Um halb acht schellten die ersten und fragten, ob sie helfen könnten. Dann haben wir angefangen, auszumisten."
Das Ausmaß der Schäden, die mehrere Hunderttausend Euro betrugen, wurde erst nach Wochen und Monaten sichtbar. Fast ein Jahr hat es gedauert, bis alles instandgesetzt war: Schäden mussten dokumentiert, Kostenvoranschläge und Genehmigungen eingeholt werden. Zusätzlich haben die Hoteliers dann in Schutzmaßnahmen investiert, Rückstauklappen und Wasserschutzwände eingebaut.
Nachdem schon die Corona-Epidemie viele Pläne zurückgeworfen hatte, war das Hochwasser ein weiterer Schlag für die Hoteliers. Doch aufgegeben haben sie nicht. Stattdessen haben sie wieder neuen Mut gefasst und angepackt - mit dem Blick nach vorn.
Michaela Brück




