Die Erinnerung an die verwüstete Unterstadt teilen viele der Menschen, die sich am Pavillon im Temsepark versammelt haben. "Für diejenigen, die den 14. und 15. Juli 2021 erlebt haben, ist dieser Ort der Erholung auch ein Ort der Erinnerung", sagt Eupens Bürgermeister Thomas Lennertz zur Begrüßung.
Gemeinsam haben die Menschen in der Unterstadt und im Wesertal die Flut erlebt, gemeinsam treffen sie sich auch, um an die Katastrophe zu erinnern. Heute ist der Temsepark nicht mal entfernt mit 2021 zu vergleichen. "Aber genau das ist der Unterschied", bemerkt Susanne Visé aus Bellmerin, "wer von der Flut getroffen wurde, sieht das Wetter nicht mehr mit den gleichen Augen."
"Heute sind 30 Grad und kein Regen in Sicht. Aber ich denke, wenn es jetzt regnet, sind die Böden so trocken, dass sie kein Wasser aufnehmen können. Und ich bin nicht die Einzige, die so denkt. In Gesprächen mit Nachbarn und Anwohnern höre ich immer wieder, dass bei Starkregen die Ängste hochkommen. Ängste und Bedenken, dass es wiederkommen könnte."
Genau deshalb wollen viele hier die Erinnerung wach halten. Damit so etwas nicht nochmal passiert. Bis heute sind Stadt und Bewohner gezeichnet - und einige Narben verheilen nur langsam.
Damit so etwas nicht mehr passiert, wollen fast alle Betroffene, die bei der Feier vor die Menge treten, auch nach vorne schauen. Sie wollen vorsorgen, aber auch neue Perspektiven schaffen. Eine davon ist die Solidarität, die durch die Flut zum Vorschein gekommen ist.
"Es war wirklich beeindruckend, wie viele Leute sich da mobil gemacht haben, wie viel Solidarität zwischen allen Leuten plötzlich da war. Und was ich mitnehmen möchte ist: diese Solidarität ist auch geblieben", erzählt Sebastian Borch aus dem Ortsteil Hütte.
Und diese Solidarität ist zwischen den Anwesenden spürbar. Sie sind hier füreinander, nicht unbedingt für den offiziellen Anlass oder das Protokoll. Sie teilen viele Narben - und sind dadurch stärker geworden. Und mit dieser Stärke fordern sie, dass die Verantwortlichen alles dran setzen, dass der Klang von Weser und Hill in Zukunft wieder Grund zur Freude ist.
Anne Kelleter





