Harmlos plätschert die Vicht durch die Stolberger Altstadt unterhalb der Burg. Zwei Passanten sehen die Absperrungen neben dem historischen Rathaus, in leerstehenden Schaufenstern erinnern großformatige Fotos an die Ereignisse vom 14. auf den 15. Juli 2021: "Ach ja, hier war das!", sagt einer, fast beiläufig.
Ein Feuerwehrmann sagte: "Land unter"
Patrick Haas war gerade einmal zwei Jahre Bürgermeister von Stolberg, als die Flut über die Kupferstadt hereinbrach: "Das ist natürlich eine Extremsituation, wenn man dann nachts angerufen wird. Wir kannten uns mit kleinem Hochwasser aus, dass mal Keller vollgelaufen sind. Aber wir konnten uns nicht vorstellen, was wir dann erlebt haben. Auch am nächsten Tag. Ein Feuerwehrmann sagte nur: 'Land unter'."
In dieser Situation habe auch er in den Krisenmodus geschaltet, sagt Patrick Haas, schließlich mussten die Menschen erst einmal dazu befähigt werden, aufzuräumen: "Wir haben damals Bargeld ausgezahlt. Das wird mein Kämmerer nicht vergessen, wenn man mit 1 Million Euro durch die Stadt läuft und den Menschen Geld in die Hand drückt, die das für Essen, Trinken oder Kleinigkeiten brauchten. Es gab keine Bank, alles war kaputt."
Die Stadt nach vorne entwickeln
Auch die Stadtverwaltung selbst musste sich notgedrungen nach einer neuen Bleibe umsehen, weil das Rathaus nicht mehr zu gebrauchen war. "Das historische Rathaus wird gerade saniert und im September fertig. Das Verwaltungsgebäude aus den 1970er Jahren war im Keller und im Erdgeschoss massiv getroffen. Da hieß es: sanieren oder Abriss und Neubau? Weil wir den Hochwasserschutz im alten Gebäude niemals hätten sicherstellen können, ist die Entscheidung gefallen, das Gebäude abzureißen."

Momentan ist die Fläche ein riesiger Sandkasten, auf dem Beachvolleyball gespielt wird. Ab dem kommenden Jahr soll ein neues Verwaltungsgebäude entstehen, ganz anders als das vorige, wie überhaupt der Wiederaufbau eher ein Neuaufbau sein soll.
"Natürlich wünscht man sich, dass es schneller geht. Aber man muss den Realitäten ins Auge sehen und die Zeit nutzen, um nachhaltige und moderne Konzepte zu entwickeln. Wir müssen die Stadt nach vorne entwickeln, ein Bild davon haben: Wie sieht Stolberg in den nächsten zehn, 20, 30 Jahren aus?"
"Stadt wieder leben" steht auf den orangefarbenen Liegestühlen, die zum Verweilen in der Stolberger Innenstadt einladen. Der Slogan steht für die Initiative "Kupferladen", mit der Geschäftsideen und Gastronomie gefördert werden sollen. Damit die Leerstände verschwinden und mit ihnen die großformatigen Erinnerungen an die Flut 2021.
Ausführliches Radio-Interview mit Patrick Haas im Player:
Stephan Pesch






















Ja, das wünsch ich mir auch, dass es schneller geht.
Und zwar bei den Mesnchen in der BRD.
300 Menschen verstarben zum 13. Juli 21 in Deutschland durch die Unwetter. Und keinen juckts scheinbar. Ist ja hinter der deutlich wie nie sichtbaren Staatsgrenze alles.
Der "Neuer Eiserner Vorhang" nach meinem Gefühl.
Und kein Zug fährt mehr auf deutscher Seite dort seit den Flut vor 5 Jahren.
Bei allen vorrausgegangenen Vorwürfen, dass man für die Menschen in Deutschland fast garnichts tut, will ich Sie, Herr Pesch, loben für den Bericht hier.
Ein Bericht, der hoffentlich den wohlhabenden EU-Voelkern um Deutschland herum nochmal ins Gewissen spricht!
Solidarität hat nicht Halt zu machen an der Grenze.
Über das Warum hab ich vorher bereits geschrieben.