Ihren Anfang nimmt die Geschichte von Fabribois 1945 in Sourbrodt. Dort nahm der Tischler und Zimmermann August Justin damals seine Arbeit auf. Drei Generationen später ist das Familienunternehmen auf die Herstellung von Fenster- und Türsystemen aus Holz und Aluminium und einer Mischung der beiden Werkstoffe spezialisiert. Zusammen mit dem Schwesterunternehmen Fabrialu stellt die Gruppe rund 8.000 Elemente pro Jahr her.
Um die Fabrigroup auch in Zukunft stark aufzustellen, hat sich die Unternehmensleitung nun für einen besonderen Schritt entschieden: Sie öffnet das Kapital des Familienunternehmens für Mitarbeiteraktionäre. "Die Motivation rührte daher, dass es immer schwieriger wird, Mitarbeiter langfristig zu halten" erklärt Ariane Justin. Gemeinsam mit ihrem Bruder Philippe Justin führt sie das Unternehmen.
"Wir haben uns gesagt, dass wir etwas tun müssen. Mein Bruder hatte dann die visionäre Idee, die Mitarbeiter zu Anteilseignern an dem Unternehmen zu machen. Eine Aktie kostet 500 Euro, investieren kann jeder bis maximal 10.000 Euro. Außerdem wollten wir die Beteiligung nicht ausschließlich an finanziellen Kriterien ausrichten. Deshalb haben wir drei weitere Faktoren einbezogen: die Kundenzufriedenheit, das Wohlbefinden der Mitarbeitenden und die Anwesenheitsquote. Denn wir glauben, dass gerade in diesen Bereichen noch viel Potenzial steckt."
Gemessen werden die doch eher subjektiven Kategorien der Kundenzufriedenheit und des Wohlbefindens der Mitarbeiter durch Befragungen und Mitarbeitergespräche. "Bei der Kundenzufriedenheit verschicken wir einfach Umfragen an die Kunden. Sie sind es also, die uns eine Rückmeldung geben. Im Allgemeinen haben wir gute Ergebnisse. Das bringt maximal fünf Prozent Rendite. Und alle anderen Kriterien bringen ebenfalls jeweils maximal fünf Prozent Rendite, sodass wir auf 20 Prozent kommen. Zusätzlich garantieren wir den Mitarbeitern fünf Prozent."
Damit möglichst viele Mitarbeiter sich an dem Modell beteiligen können, müssen sie beim Kauf der Aktien nicht den gesamten Betrag sofort aufbringen. Sie können zunächst auch nur 30 Prozent des Kaufpreises einzahlen, der restliche Betrag kann dann durch spätere Erträge finanziert werden. Erst wenn das Kapital vollständig eingezahlt ist, erhalten die Mitarbeitenden tatsächlich Dividenden.
27 der insgesamt 48 Beschäftigten haben die Chance bereits genutzt und beteiligen sich an einer Kapitalerhöhung von knapp 200.000 Euro. Weitere Mitarbeiter können ab Januar 2027 einsteigen, anschließend soll das Modell alle drei Jahre geöffnet werden.
"Bei mir hatte es mehrere Gründe", erklärt Benoit Lejoly seine Entscheidung zum Kauf der Anteile. Er arbeitet seit neun Jahren bei Fabribois. "Alleine das Angebot zu bekommen von der Fabrigroup, da ist man schon stolz, dass uns das angeboten wird. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen wird sich auch verbessern und dann hat man auch ein bisschen mehr Verantwortung."
"Was auch wichtig ist, ist dass Fabribois schon seit drei Generationen ein sehr stabiles Unternehmen ist. Das vergrößert sich auch immer mehr und damit kann man dann auch sehr positiv in die Zukunft blicken", sagt Benoit Lejoly.
Fabribois ist nicht die einzige Firma in Belgien mit einem Mitarbeiterbeteiligungsmodell. Die konkrete Umsetzung in Sourbrodt sei jedoch außergewöhnlich. "Das Besondere ist, dass die partizipative Aktienbeteiligung nicht allein auf Finanzkennzahlen beruht", so Ariane Justin. "Das ist originell und ermöglicht es uns, die Mitarbeiter stärker einzubinden und sie zu halten."
"In erster Linie haben wir das Modell aber geschaffen, um den Mitarbeitern zu danken, denn es ist auch ihnen zu verdanken, wo wir heute stehen. Wenn sie nicht da gewesen wären, wären wir heute nicht da, wo wir sind."
Bis 2027 wird Fabribois rund 13 Millionen Euro in seine Entwicklung investiert haben - über einen Zeitraum von insgesamt 13 Jahren. Zehn Millionen Euro davon stammen aus eigenen Mitteln.
Auch für die nahe Zukunft sind bei Fabribois große Pläne angesetzt. Im Oktober kommt beispielsweise eine 52 Meter lange Produktionsmaschine hinzu. Sie soll helfen, bisher manuelle Arbeitsschritte stärker zu digitalisieren. Auch eine weitere Lagerhalle soll im nächsten Jahr gebaut werden.
Lindsay Ahn







