In St. Vith ist Isabel Gillessen als neue Finanzschöffin vereidigt worden. Sie löst Alexander Wansart ab, der das Schöffenmandat "aus beruflichen und familiären Gründen" abgegeben hat.
Isabel Gillessen ist 39 Jahre alt und arbeitet als Mathematiklehrerin an der Maria-Goretti-Schule.
Bei den Stadtratswahlen im Oktober 2026 hatte sie auf Platz 13 der Liste "Gemeinsam" um den späteren Bürgermeister Werner Henkes kandidiert und 454 Vorzugsstimmen erhalten.
In der Rangfolge innerhalb des Gemeindekollegiums ist sie Zweite Schöffin.
Alexander Wansart wird dem St. Vither Stadtrat weiterhin als Mitglied angehören. Bürgermeister Werner Henkes bedankte sich im Namen der Mehrheit bei ihm. Er sei eine Referenz gewesen, wenn es um Statuten und juristische Fragen ging. "Wir entlassen dich mit einem weinenden und einem lachenden Auge, weil deine Expertise uns ja erhalten bleibt."
Kurz nach ihrer Vereidigung erläuterte Isabel Gillessen auch schon die ersten Beschlussvorlagen, so einen Zuschussantrag für Materialkosten zum Renovierungsprojekt an der Reithalle in Recht, die finanzielle Beteiligung am Notarztdienst der Klinik Sankt Josef sowie die Rechnungs- und Haushaltsvorlagen der Kirchenfabriken.
Über Interreg: Rathausplatz soll begrünt werden
Zu ihrer "Feuertaufe" gehörte auch die Vorstellung der ersten Haushaltsabänderung. Der Investitionshaushalt steigt von 5,8 auf 6,9 Millionen Euro. Als positive Nachricht überbrachte Isabel Gillessen die Zusage der Finanzierung für ein Interreg-Projekt, in dessen Rahmen der St. Vither Rathausplatz begrünt werden soll. Das Projekt wird von den Universitäten in Lüttich und Aachen begleitet.
Auf Rückfrage von Martina Spies erklärte Gaby Schröder, dass die Stadt sich beworben habe, weil sich der Rathausplatz sehr schnell erhitze. Es gebe aber noch keine konkreten Vorstellungen, was dagegen unternommen werden soll. Sicher sei, dass der Rathausplatz nicht komplett aufgerissen werde. Es sind zwar erst einmal 200.000 Euro dafür im Haushalt eingetragen, was aber nicht bedeute, dass dieses Geld auch wirklich benötigt wird. So oder so werde sich die Stadt wissenschaftlichen Rat holen.
Jetzt erfolge der Startschuss, im Laufe des Jahres 2027 werde man dann sehen müssen, was man genau will. Die Investition muss bis Januar 2028 abgeschlossen sein.
Herbert Grommes sagte, die Opposition begrüße grundsätzlich eine solche Begrünung. Solche grenzüberschreitenden Projekte seien aber mitunter langwierig. Er schlug vor, den einen oder anderen begrünten Platz zu besichtigen.
Hochwasserschutz auch in St. Vith ein Thema
Mit Blick auf den Hochwasserschutz vermisste die Opposition konkrete Vorhaben. Grommes verwies auf die Barrieren, die etwa in Aachen eingesetzt werden.
Dorothea Schwall-Peters verwies auf 25.000 und 30.000 Euro an Ziehungsrechten bei der Wallonischen Region, um sanfte Maßnahmen umzusetzen. Es gebe auch Pläne in Sachen Kanalisation. Es sei aber mindestens so wichtig, die Leute davon zu überzeugen, dass sie selbst ihre Häuser schützen. Die Gemeinde müsse den öffentlichen Raum schützen und könne die Bürger informieren, welche Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen.
Ein von Grommes angeregtes Tool, das die bereits erfolgten Maßnahmen auflistet, sei bereits in Arbeit, wusste Isabel Gillessen.
Bürgermeister Werner Henkes bestätigte, dass Hochwasserschutz auch bei der Mehrheit ein großes Thema sei.
Die Mehrheit stimmte schließlich für die erste Haushaltsabänderung. Die Opposition enthielt sich beim außerordentlichen Haushalt der Stimme. Sie stimmte gegen den ordentlichen Haushalt, bis auf Thomas Orthaus, der sich auch hier der Stimme enthielt.
Hitzewelle: Achtsamkeit gegenüber älteren alleinstehenden Menschen
In der Fragestunde erkundete sich Dorothea Schwall-Peters bei ihrer Fraktionskollegin Gaby Schröder, ob bei der vergangenen Hitzewelle besondere Maßnahmen zum Schutz älterer Menschen etwa in Seniorenheimen und Krankenhäusern unternommen worden seien und ob auch an alleinstehende ältere Menschen gedacht worden sei.
Gaby Schröder bestätigte, dass die Wohn- und Pflegezentren für Senioren über einen Hitzeplan verfügen. Es seien auch zusätzliche Klimageräte und Ventilatoren angeschafft worden. Was alleinstehende ältere Menschen angeht, appellierte sie daran, dass sich alle diesen Menschen gegenüber verantwortlich fühlen und achtsam sein sollten. Sie könne sich vorstellen, dass jemand beauftragt werde, um Kontakte zu diesen alleinstehenden Personen zu pflegen. Es gebe auch Pläne auf Ebene der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die sie aber noch nicht näher präzisieren konnte.
"Millionenberg" der "kleine St. Vither Urwald"?
Bernd Karthäuser fragte seinerseits nach dem Wildwuchs auf dem sogenannten "Millionenberg". Nach der erforderlichen Abholzung des Fichtenbestands sei man seinerzeit, als er noch Schöffe war, von der Vorgabe ausgegangen, eine botanische Vielfalt zu erhalten. Davon könne heute keine Rede mehr sein. "Vor ein paar Jahren konnten die Leute hier Holunderblüten pflücken. Jetzt müssen sie von Holundersirup auf Brennnesselsuppe umrüsten", stellte Karthäuser fest.
Stellenweise sei auch die versprochene Aussicht nicht mehr vorhanden und ihm sei von einigen Leuten zugetragen worden, dass sie sich angesichts von ein paar "finsteren, schwer einsehbaren Ecken" dort vor allem abends nicht sicher fühlen.
Bürgermeister Werner Henkes bestätigte scherzhaft, dass schon vom "kleinen St. Vither Urwald" gesprochen werde. Ernster fügte er hinzu, dass auch an gewissen Stellen Vandalismus festgestellt worden sei. Was den Wildwuchs angehe, könne man sicher überlegen, ob sich hier ein Projekt aufdränge. Andere fänden es schön so, wie es ist.
Stephan Pesch