Wie stark eine Gemeinschaft zusammenhalten kann, zeigt sich oft in Krisenzeiten. Diese Beobachtung haben auch Daria Bojanic und ihr Partner Florian Christoph gemacht. In der Corona-Pandemie und nach der Flutkatastrophe 2021 waren sie beeindruckt davon, wie Menschen in der DG kleine digitale Hilfsnetzwerke aufgebaut haben.
Aus diesen Beobachtungen ist schließlich die Idee für die Dienstleistungsplattform "Radius" entstanden. "In den Facebookgruppen hat man beispielsweise allerhand Anfragen und auch andere Fragen", erklärt Daria Bojanic. "Es ist halt ein kunterbuntes Etwas, aus dem man nicht alles schön rausfiltern kann und auch nicht sicher sein kann, ob man die Hilfe auch wirklich bekommt. Die Anzeigen gehen ja auch total unter. Wir haben uns dann gesagt, dass man das auch an einen Ort verlegen kann, an dem man alles schön gefiltert und gesondert hat und auch genau die Zielgruppe anspricht, die bereit ist, sie zu nutzen."
"Radius" soll es ermöglichen, sich gegenseitig schnell und unkompliziert bei Alltagsaufgaben zu helfen. Wer Hilfe braucht, kann über die App in der passenden Kategorie einen Auftrag mit einem Preisangebot einstellen. Zum Beispiel "Bügelarbeiten", "Lieferung" oder "Unterricht". Dienstleister in einem gewissen Radius können dann auf die Anfrage reagieren und den Auftrag übernehmen.
Unterschieden wird zwischen zwei Arten von Aufträgen: Schnellanzeigen und Terminanzeigen. Schnellanzeigen sind für Aufgaben gedacht, die kurzfristig erledigt werden müssen - etwa ein Reifenwechsel bei einer Autopanne. "Dann kann man die App öffnen und einen Auftrag für diesen Reifenwechsel erstellen. Sobald der Auftrag erstellt ist, werden Dienstleister in der Umgebung sofort kontaktiert", sagt Florian Christoph.
"Die Dienstleister haben dann in diesem Fall 45 Sekunden Zeit, den Auftrag durchzulesen und anzunehmen. Dann kann man in einem In-App-Chat noch einmal weitere Sachen abklären." Erst wenn beide Seiten sich ausdrücklich füreinander entschieden haben, wird der Auftrag verbindlich gestartet.
Bei der Terminanzeige wird der Auftrag auf ein gewisses Datum gelegt. Der Dienstleister kann sich dann auf einer Liste den passenden Auftrag aussuchen und - falls gewünscht - sogar ein eigenes Preisangebot abgeben.
Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen die Plattform nutzen können. So sollen neben selbstständigen natürlichen Personen auch Privatpersonen Aufträge übernehmen können.
Für letztere gelten dabei allerdings besondere gesetzliche Vorgaben. Deshalb soll Radius über das sogenannte "Sharing-Economy"-Modell laufen. Dabei dürfen Privatpersonen durch Dienstleistungen anderen Privatpersonen gegenüber bis zu 7.890 Euro im Jahr verdienen. Im Rahmen des Modells, das für Plattformen wie "Radius" entwickelt wurde, gelten die Einnahmen nicht als professionelle Einkünfte und werden steuerlich begünstigt.
Privatpersonen würden zudem von der Plattform begleitet. "Die Plattform führt auch direkt diese Steuern mit ab und stellt dann am Ende des Jahres eine Art Bescheinigung zur Verfügung, damit das alles auch rechtlich von statten geht", so Florian Christoph.
Für Selbstständige gilt dieses Modell nicht. Sollten sie über die App Aufträge ausführen, müssten sie ihre Steuerabgaben selbst regeln.
Die Nutzung der App ist kostenlos, allerdings behält die Plattform sich eine Vermittlungsgebühr ein. "Die Plattform bekommt dann sozusagen einen gewissen Teil von dem Auftragspreis, damit sie sich natürlich finanzieren kann", so Florian Christoph. "Das Ganze ist aber auch transparent in der App beschrieben. Wenn der Auftraggeber einen Auftrag einstellt und der Auftragnehmer den Auftrag sieht, sieht er auch direkt neben dem Preis, wie viel Geld er dann wirklich bekommt", ergänzt Daria Bojanic.
Zunächst soll die App nur in der Deutschsprachigen Gemeinschaft genutzt werden. Je nach Erfolg könnten sich die Gründer auch eine Ausweitung vorstellen. "Für den Start haben wir uns dafür entschieden, dass wir eine gebündelte und gut zusammenhaltende Community brauchen und wir wissen ganz genau, dass wir die hier finden. Wenn die App super ankommen sollte, wäre es natürlich schade, das nicht zu erweitern", sagt Florian Christoph.
Aktuell befindet sich die Plattform noch in der Testphase. Bis zum offiziellen Start in der DG könnten noch einige Monate vergehen. Wer informiert werden möchte, kann sich bereits jetzt auf der "Radius"-Webseite eintragen.
Lindsay Ahn