"Die Aussicht ist die beste der ganzen Rennstrecke", sagt Loris Elst vom East Belgian Racing Team (EBRT). Alle Gäste, die zur offiziellen Einweihung der neuen "Buvette" des EBRT an der Rennstrecke von Spa-Francorchamps eingeladen waren, würden die Aussage wohl unterschreiben.
Die neue Bar kann nicht ganz mit dem Charme des alten Holz-Chalets mithalten und verschwindet nahezu neben der gigantischen neuen Tribüne – die Aussicht bleibt aber spektakulär.
Das EBRT blickt auf eine lange Geschichte an der Rennstrecke zurück. Gegründet im Jahr 1969, kaufte der Verein 1971 das Grundstück. Kurz darauf entstand der erste Getränke-Ausschank, der sich von einer ersten Holzbude stetig weiterentwickelte.
Über die Jahre hat der Club einige Male Überzeugungsarbeit leisten müssen. "1980 kam ein Brief vom Minister mit der Ankündigung, dass wir enteignet werden", erinnert sich der damalige Präsident Claude Rémion. "Sie wollten einen Rettungsweg anlegen."
"Ich habe dann einen offiziellen Termin gemacht und erklärt, dass wir ein kleines regionales Team sind, das mit Ehrenamtlichen arbeitet und dessen Erlöse wieder zurück in den Motorsport fließen. Das ist angekommen und wir haben uns auf einen Kompromiss geeinigt: Wir haben ein Viertel des Grundstücks abgegeben, drei Viertel haben wir behalten."
In den 1980er Jahren bat die Rennstrecke dann um eine Aufwertung des Gebäudes. Das EBRT zog verschiedene Sponsoren an Land, 1985 wurde dann das Chalet gebaut, an das sich alle eingefleischten Rennstrecken-Fans erinnern. 2021 wurde das Holzhaus abgerissen – es wich der neuen Tribüne mit Blick auf den Raidillon.
"Als wir unser 50-jähriges Jubiläum gefeiert haben, hatte ich eine Diskussion mit der damaligen Direktorin Nathalie Maillet", erzählt EBRT-Präsident Jean-François Elst. "Auch sie hat verstanden, was den besonderen Geist unseres Teams ausmacht und weshalb unsere Präsenz an der Rennstrecke eine Tradition geworden ist. Auch in dem Fall haben wir dann eine Einigung gefunden."
Das EBRT bekam einen Platz rechts von der neuen Zuschauertribüne - auf einer Anhöhe, durch die nach wie vor die einmalige Aussicht garantiert ist. Geöffnet ist an Wochenenden mit größeren Rennen. Immer noch stehen die EBRT-Mitglieder selbst hinter der Theke. "Wir sind eine große Familie. Auch beim Bau der neuen Buvette haben alle mit angepackt", unterstreicht Loris Elst.
Was viele nicht wissen: Die Buvette steht auf dem Gebiet der Gemeinde Malmedy. Auch der Raidillon und die Kemmel-Gerade bis zu der Combes-Kurvenpassage gehören zu Malmedy und nicht zum "Gemeinde-Rivalen" Stavelot wie der Rest der Strecke (manche behaupten, dass das auch noch für die Brüssel-Kurve gilt). Das forderte Malmedys Bürgermeister Jean-Paul Bastin und Noch-Rennstrecken-Direktor Amaury Bertholomé – der aus Stavelot stammt – beim kleinen Festakt zur Einweihung am Donnerstagabend zu gegenseitigen Seitenhieben heraus.
Aber auch die beiden waren sich in einem Punkt einig: dass auch die neue Buvette dem Geist der Rennstrecke entspricht und dass dort dank der engagierten Helfer genau wie vorher eine einzigartige und gesellige Atmosphäre entstehen wird.
Katrin Margraff







