Triane befasst sich mit angewandter Ethik. Im Mittelpunkt stehen dabei konkrete ethische Fragen aus Wissenschaft, Gesellschaft und Alltag - etwa in den Bereichen Digitalisierung, Pflege und Gesundheit sowie Nachhaltigkeit.
"In der Ethik fragt man danach, wie wir handeln sollen und warum wir in einer bestimmten Art und Weise handeln sollen - warum bestimmte Handlungen falsch sind und andere erlaubt oder sogar geboten sind", sagt Professor Matthias Hoesch, Sprecher des Instituts. Bei der angewandten Ethik werden diese Grundfragen auf konkrete Situationen übertragen. Als Beispiel wird der medizinische Bereich genannt: Dort könne man etwa fragen, wie ein Arzt handeln soll, wenn er mit einem bestimmten Patienten und einer bestimmten Krankheit konfrontiert ist.
"Das ist die Idee der angewandten Ethik: dass man die Kernthemen der Ethik auf Anwendungsfelder überträgt", so Hoesch. Ethik ist nicht nur ein Thema für Wissenschaft und Philosophie. Sie begegnet Menschen auch im Alltag - oft, ohne dass sie es direkt als ethische Frage wahrnehmen. Ein einfaches Beispiel ist ein Streit im Haushalt.
Ehtik auch im Alltag
Wenn jemand den Partner kritisiert, weil die Teller nicht abgewaschen wurden, stecke dahinter häufig mehr als nur Ärger über schmutziges Geschirr. Oft gehe es um die Vorstellung, dass Hausarbeit fair verteilt sein sollte. "Das heißt, wir berufen uns hier auf ein moralisches Prinzip und erheben in der Regel dann auch einen moralischen Vorwurf. Ethik ist also die ganze Zeit um uns herum - im Alltag, in beruflichen Kontexten und so weiter", sagt Hoesch.
Besonders sichtbar werden solche Fragen dort, wo Technik dem Menschen immer näher kommt. Künstliche Intelligenz schreibt Texte, führt Gespräche oder ist Teil des täglichen Lebens. Dadurch verändert sich auch die Frage, wie Menschen mit solchen Technologien umgehen. Ein Beispiel sind emotionale Beziehungen zu digitalen Figuren oder KI-Systemen. "Es gibt mittlerweile zahlreiche Personen, die über sich sagen, dass sie eine Art Liebesbeziehung mit einer Person führen, die nur auf dem Bildschirm existiert", sagt Hoesch. Das sei ein neuartiges Phänomen. Entsprechend stelle sich die grundlegende Frage, wie viel Raum Menschen solchen Maschinen geben sollten.
Roboter in der Pflege
Triane schaut zentral auf drei Bereiche, in denen ethische Fragen besonders greifbar werden: Digitalisierung, Pflege und Gesundheit sowie Nachhaltigkeit. Weil solche Themen oft mehrere Seiten haben, arbeiten am Institut verschiedene Fachrichtungen zusammen - etwa Philosophie, Informatik, Pflegewissenschaft und Rechtswissenschaft.
Ein Beispiel dafür sind Roboter in der Pflege. Dabei geht es nicht nur um technische Möglichkeiten, sondern auch um Selbstbestimmung, Verantwortung und den Umgang mit pflegebedürftigen Menschen. "Macht ein Pflegeroboter Menschen frei oder engt er sie ein?", fragt Hoesch. Entscheidend sei etwa, ob ein Roboter Menschen unterstützt - oder ob sie sich am Ende weniger trauen, eine menschliche Person um Hilfe zu bitten.
Psychotherapie
Auch für die kommenden Jahre hat das Institut konkrete Themen im Blick. Derzeit geht es unter anderem um Künstliche Intelligenz in der Reproduktionsmedizin - also um neue technische Möglichkeiten rund ums Kinderkriegen. Künftig soll auch Wissenschaftsfreiheit und Moral stärker in den Fokus rücken.
Eine große Rolle spielt zudem der Einsatz von KI in der Psychotherapie. Dabei geht es um die Frage, wie sich therapeutische Unterstützung verändert, wenn sie jederzeit über das Smartphone verfügbar ist. "Man hat dann seinen Therapeuten in der Hosentasche auf dem Smartphone dabei und kann im Prinzip jederzeit eine kleine therapeutische Intervention in Anspruch nehmen", sagt Hoesch.
Offen sei aber, ob solche Angebote Menschen selbstständiger machen - oder ob sie am Ende stärker von digitalen Empfehlungen abhängig werden. Es stelle sich die Frage, ob man dadurch ein eigenes Leben führt oder "fast schon das Leben führt, das einem das Smartphone vorgibt", so Hoesch. Diese Frage wolle Triane in den nächsten Jahren vertiefen.
Tim Frings