Die Geschichte der heutigen "Hoffmann Trade AG" beginnt 1920. Anstelle der Sägerei hätte in Atzerath auch ein E-Werk stehen können, denn eigentlich war Gründer Heinrich Hoffmann Elektriker.
"Er hatte einen Bach gestaut und darauf eine Stromturbine gebaut. Mit einem eigenen Stromnetz hat er dann Strom für die Menschen im Ort hergestellt. Weil er aber zu viel Strom produzierte, hat er eine Gattersäge installiert und damit für die Bauern aus der Gegend Bauholz gesägt", erzählt Werner Hoffmann. Er hat seinen Großvater noch gut in Erinnerung: "Es war ein absoluter Tüftler, der technisch echt stark war. Er war aber nicht so ein guter Kaufmann. Das hat die Generation danach verbessert."
Heute hat der Betrieb 50 Mitarbeiter und verarbeitet Holz vom Stamm bis hin zu fertigen Holzbauteilen. Seit 1962 steht das Werk am aktuellen Standort. Seitdem wird es ständig modernisiert und ausgebaut. Verarbeitet werden vor allem Fichten. Alles Holz stammt aus der Region. Nach Anlieferung werden die Stämme erst auf Länge gebracht. "Hier startet die Produktionslinie, nach ihrer Ankunft werden die Stämme hier rundgefräst und entrindet, nach Metall abgesucht und am Ende elektronisch vermessen."
Das System errechnet dann, wie man den Stamm bestmöglich ausnutzen kann. Also welche Bretter und wie viele davon in welchen Stamm passen. Nach dem groben Zuschnitt geht es ins Herzstück der Sägerei. Was früher schweißtreibende Handarbeit war, wird heute alles von einer Kommandozentrale aus gesteuert. In wenigen Minuten werden aus einem Stamm Bretter und Balken.
Seit dem Jahr 2000 haben die Hoffmanns ein zweites Standbein: die Holzveredelung. "Hier trocknen wir Holz, hobeln und verleimen es und schneiden es zu fertigen Bauteilen mit unseren CNC-Fräsen."
Heute ist die vierte Generation Hoffmanns am Ruder. Simon und Michael haben den Betrieb von ihrem Vater und seinen beiden Brüdern übernommen. "Im Grunde war es mir immer schon klar, dass ich einmal den Betrieb übernehmen werde. Wenn man sieht, wie lange heute Betriebe bestehen, sind 100 Jahre schon ein Meilenstein. Deshalb ist es mir sehr wichtig, diese Tradition weiter zu führen", sagt Michael Hoffmann.
Dabei ist es aktuell für Sägereien gar nicht so einfach. Borkenkäfer und Personalmangel in den Forstämtern haben dazu geführt, dass Fichten auf dem Holzmarkt knapp sind. Und während die Preise im Einkauf steigen, stagniert die Auftragslage, denn der Bausektor, Hauptabnehmer der Sägerei, steckt in der Krise. "Zum Glück haben wir uns so breit aufgestellt, dass wir trotz der schwierigen letzten drei, vier Jahre alle unsere Mitarbeiter immer in Vollzeit beschäftigen konnten", so Michael Hoffmann.
Und so wächst der Betrieb weiter. Letzte Innovation: das neue Verwaltungsgebäude, mit modernsten Bedingungen für Mitarbeiter und Kunden. Natürlich wurde es mit Holz aus der eigenen Sägerei gebaut und verziert, denn die Hoffmanns sind stolz auf ihre Familientradition. "Wir sind im Sägemehl geboren. Wenn man den Werkstoff mag, macht man auch etwas Schönes daraus. Wir geben auch acht, dass wir alles gut nutzen, nichts wird weggeworfen und wir optimieren den Rohstoff so, wie es sich gehört", erklärt Werner Hoffmann abschließend.
Anne Kelleter












