Alt, dunkel und verlassen sind die Räume des ehemaligen Zollhauses Rodt, das 1908 erbaut wurde, später ein Hotel beherbergte und dann privat genutzt wurde. Der Filmemacher Joshua Cremer hatte es schon lange im Blick. Für seinen Film "Coma grey" wurde es einer der Hauptdrehorte. "Das war perfekt für die Kulisse", sagt Joshua Cremer. "Wir brauchten die düstere, traurige Atmosphäre, die dunklen Räume. Das war perfekt für das Zuhause von Eduard und seiner Mutter."
Eduard ist die Hauptfigur des Films. Er wohnt mit seiner an Alzheimer erkrankten Mutter und führt ein freudloses Leben. Joshua Cremer beschreibt es so: "Wir nehmen Teil am Leben des Mittvierzigers Eduard. Er ist Junggeselle, wohnt mit seiner Mutter am Rande eines kleinen ostbelgischen Dorfes. Sein Alltag pendelt zwischen aufreibender Pflege und der Dorfkneipe. Der zunehmend schlechter werdende Zustand seiner Mutter verändert auch seinen Alltag."
Joshua Cremer hat persönliche Erfahrungen mit der Alzheimer-Erkrankung seiner Großmutter und dem Lebensende seines Großvaters in dem Film verarbeitet. Aber auch wenn das Thema Alzheimer im Vordergrund stehe, sei es nicht nur ein düsterer Film: "Der Film hat verschiedene Aspekte. Es gibt auch Stellen, wo man lachen muss. Wir überraschen gern." Und er betont: "Wir sind ein Team ."
Ein Team, das sich aus vielen ostbelgischen Künstlern und Filmschaffenden zusammensetzt. Die Musik hat Danny Gallo komponiert. Hinter der Kamera standen Felix Henkes und Chris Eyre-Walker. Den Schnitt hat Luca Offermann übernommen und Ann-Sophie Velz war für die visuellen Effekte zuständig. "Alle haben viel Herzblut in die Produktion gesteckt", sagt Joshua Cremer. Und das Filmprojekt sei "ein Brocken Arbeit" gewesen. "Meine Freundin Catherine Bettendorff hat mich enorm dabei unterstützt." Möglich wurde das Projekt durch eine Crowdfunding-Kampagne. Wichtige Finanzierungsquellen seien auch die DG, Kultkom Eupen, die König-Baudouin-Stiftung und die Provinz Lüttich gewesen.
Der Filmtitel "Coma Grey" ist eine Hommage an den amerikanischen Musiker Marilyn Manson und dessen Songs "Coma White" und "Coma Black". Manson habe ihm immer viel Kraft gegeben, sagt Joshua Cremer.

Die drei Hauptdarsteller des Films standen alle zum ersten Mal vor einer Kamera. Für den IT-Techniker Christophe Nix war die Hauptrolle eine persönliche Herausforderung. "Man muss in seiner eigenen Vergangenheit Emotionen finden, um sie dann auch transportieren zu können. Bei der ersten emotionalen Szene war ich sehr nervös, weil ich nicht wusste, ob das vor der Kamera klappen würde. Aber es hat funktioniert. Das habe ich zu einem großen Teil Helga Kohnen zu verdanken, die meine Partnerin in der Szene ist."
Auch für die erfahrene Theaterschauspielerin Helga Kohnen waren die Arbeit vor der Kamera und die Rolle der an Alzheimer erkrankten Mutter neu. "Das ist eine meiner größten Ängste, meine Autonomie zu verlieren wie die Mutter, die ich spiele. Die Rolle war eine Herausforderung. Es ist leichter, etwas Fröhliches zu spielen. Aber die Atmosphäre dieses Hauses in Rodt hat mir geholfen, die Figur zu finden."
Die Rolle von Marie Dolders in "Coma Grey" ist noch ein Geheimnis. Für die Spielerin des Agora-Ensembles war die Filmarbeit ebenfalls eine neue Erfahrung. "Beim Theater baut sich die Rolle im Stück auf, weil man durchgehend in einem Spiel ist. Beim Film muss man immer wieder switchen zwischen Drehmomenten und Pausen. Das ist spannend und interessant."
Joshua Cremer ist es wichtig, in Ostbelgien zu drehen. "Ich will unsere Gegend mit einbinden. Hier entstehen Geschichten. Hier passiert so viel." Gedreht wurde unter anderem in Recht, Nidrum, Maldingen, Crombach und Eupen. 42 Drehtage waren es - und das neben der beruflichen Tätigkeit aller Beteiligten. So arbeitet Joshua Cremer hauptberuflich als Erzieher an der Bischöflichen Schule in St.Vith.
Das Ergebnis der Dreharbeiten kennen die Darsteller selbst noch nicht. Sie werden den Film bei der Kinopremiere erstmals sehen. Für Joshua Cremer steht schon fest: "Es ist ein ehrlicher Film geworden."
Nach der Premiere am 19. Juni im Kino Corso gibt es weitere Vorstellungen in St.Vith sowie in Büllingen und Eupen. Infos auf der Webseite von Regisseur Joshua Cremer.
Michaela Brück