Johann Delcourt ist der Birkhuhn-Fachmann in Belgien. Von der Forschungsstation der Universität Lüttich auf Mont Rigi aus verfolgt er die Tiere fast auf Schritt und Tritt. Viele der Birkhühner sind mit kleinen Sendern ausgestattet. Deshalb weiß Delcourt, an welchen Orten sich die Vögel aufhalten und welche Wegstrecken sie zurücklegen.
"Das Birkhuhn ist typisch für Heide- und Moorlandschaften. Das trifft sich gut, denn das gehört zu den Eigenschaften des Hohen Venns, wo sich die letzten aktiven Moore und Heide befinden. Das sind zwei Lebensräume, die reich an Heidekrautgewächsen sind. Das ist die Familie der Heidelbeeren, Preiselbeeren, des Heidekrautes und der Besenheide. Das ist ihre Nahrungsquelle", erläutert er.
Bis zum Beginn der 1990er Jahre lag der Birkhuhn-Bestand im Hohen Venn recht stabil bei rund 40 Männchen. Danach ging es abwärts. Selbst hier, wo man die Natur noch vergleichsweise in Ruhe lässt, wie Johann Delcourt es ausdrückt.
Vor rund zehn Jahren sei das Birkhuhn fast vollständig aus dem Hohen Venn verschwunden. Das könne mit Fressfeinden zusammenhängen, so der Biologe. Hier ist allen voran der Fuchs zu nennen. Und wenn es ohnehin schon wenige Birkhühner gibt, machen sich Verluste gleich stark bemerkbar.
Fast jedes Jahr Neuankömmlinge aus Skandinavien
Bei der jüngsten Zählung Ende April wurden im Hohen Venn insgesamt zwölf Männchen, also Birkhähne, festgestellt. Hinzu kommen die Weibchen - und die 35 weiteren Exemplare, die erst vor wenigen Wochen ausgewildert wurden. Dabei handelt es sich um Birkhühner aus Schweden.
Solche Auswilderungen sind eine aufwendige Sache, sagt Johann Delcourt. "Seit 2018 versuchen wir, das jedes Jahr zu machen. Wir müssen fast jedes Jahr Genehmigungen bei den wallonischen und schwedischen Behörden anfragen, um solche Aktionen machen zu können. An so einem Einsatz in Schweden sind rund 15 Personen beteiligt, davon elf, zwölf Ehrenamtliche", erläutert der Biologe.
Um den Tieren den Übergang ins Hohe Venn zu erleichtern, kommt eine Art Tunnel zum Einsatz. Die Birkhühner können ihre Transportkisten eigenständig verlassen und sich dann über den Tunnel Stück für Stück an die neue Umgebung herantasten. Und dass das funktioniert, zeigen Videoaufnahmen: Darauf zu sehen ist ein Birkhuhn, das sich im Hohen Venn nur wenige Wochen nach seiner Ankunft aus Schweden mit einem hiesigen Männchen paarte.
In Schweden ist der Birkhuhn-Bestand noch deutlich größer als in Belgien. Nach der Auswilderung im Hohen Venn bleibt Delcourt den Tieren dann auf der Spur, um nachzuverfolgen, wie sie sich in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden - das geht dank der kleinen Sender, aber auch durch Beobachtungen vor Ort mit Fernglas und Kamera. Dabei ist oft Geduld gefragt.
Dass die Birkhühner als eines der Wahrzeichen des Naturparks Hohes Venn-Eifel in der hiesigen Natur ansässig sind und bleiben, hat große Bedeutung, erklärt der Forscher. "Das ist eine sogenannte Schirmtierart", so Delcourt. "Wenn man die schützt, schützt man alle Arten, die mit ihr zusammenhängen. Das Birkhuhn lebt in den Moor- und Heidelandschaften, die in den vergangenen rund zehn Jahren sehr gelitten haben und die selten geworden sind", sagt er.
Dank des Auswilderungsprogramms steigt der Birkhuhn-Bestand im Hohen Venn. Aber für eine Entwarnung ist es noch zu früh: Die Population wachse nicht derartig stark an, wie man es gerne hätte, betont Delcourt. Das Wahrzeichen des Naturparks Hohes Venn-Eifel braucht also weiterhin Unterstützung.
Moritz Korff


