Aktuell ist für den Wanderfalken Brutzeit. Um ihren Nachwuchs zu bekommen, hat sich ein Wanderfalkenpaar in der Region den Südturm der Eupener St.-Nikolaus-Kirche ausgesucht. Genau zu diesem Zweck gibt es in dem Kirchturm seit vielen Jahren einen Nistkasten, denn Wanderfalken bauen keine eigenen Nester.
In dem Nistkasten liegen derzeit vier Eier. Für die Naturschutzvereinigung Aves-Ostkantone sind das gute Nachrichten. "Nach zwei Jahren Abwesenheit in der Oberstadt ist der Wanderfalke wieder zurück in der St.-Nikolaus-Kirche. Wir hoffen jetzt auf einen guten Ausgang des Brutgeschäftes mit vier Eiern und dementsprechend auch bald vier Jungvögeln", erklärt Gerhard Reuter von der Aves-Ostkantone. Gemeinsam mit seinem Kollegen Sébastien Finck beobachtet er die Brutentwicklung im Nistkasten an der St.-Nikolaus-Kirche.
Neben der St.-Nikolaus-Kirche haben sich Wanderfalken in den letzten Jahren auch immer mal wieder in der Friedenskirche eingenistet. Und auch im Rest von Ostbelgien lässt der Wanderfalke sich blicken. Denn auch entlang der Autobahn-Viadukte sind Nistkästen angebracht. Zwei der insgesamt vier Kästen sind aktuell belegt. Drei Jungtiere wurden in Breitfeld gesichtet und zwei am Viadukt der Eau rouge zwischen Verviers und Malmedy.
Generell stehe es gut um die Population in der Region. "Man darf nicht außer Acht lassen, dass der Wanderfalke lange Zeit ausgestorben war", so Reuter. "In den 90er Jahren hat er sich zunächst in den Kernkraftzentralen in den hohen Türmen angesiedelt. Seit 2011 ist er wieder hier in Eupen, seit 2008 in der Eifel. Wir haben eine positive Entwicklung festzustellen. Die Territorien sind natürlich sehr groß und der Wanderfalke ist sehr territorial, also irgendwann ist schon eine Sättigung festzustellen, aber es ist erfreulich, dass ein Greifvogel zurück ist, der auf natürliche Weise viele Sachen reguliert. Ich nehme mal als Beispiel in der Eupener Innenstadt die Taubenpopulation, die dank der Präsenz des Wanderfalken doch in ein verträgliches Maß herabgesetzt wurde."
Auch an der Kirche von Walhorn wurde im Rahmen der Sanierungsarbeiten auf Anfrage des Kirchenvorstands ein Nistkasten eingebaut – der ist aber aktuell nicht von Wanderfalken, sondern von Dohlen bewohnt.
Um die Population der Tiere im Auge zu behalten, werden die Wanderfalken beringt. Dabei trägt einer der Ringe die Identifikationsnummer des Tieres. Ein weiterer Ring dient dazu, den Falken auch aus der Entfernung zuordnen zu können. "Das Beringen von Vögeln ist mehr als nur das Anbringen eines Rings", erklärt Sébastien Finck. "Es dient einem wissenschaftlichen Zweck: Vögel zu verfolgen, Populationsbewegungen zu überwachen, ihre Entwicklung zu beobachten und schädliche Faktoren zu identifizieren. Zum Beispiel können wir während des Vogelzugs feststellen, dass Windkraftanlagen einen erheblichen Einfluss auf die Sterblichkeit einiger Vögel haben."
"Mithilfe der Ringe können wir sehen, wohin die Vögel abwandern. Wir wissen, dass viele Jungvögel nach dem Flüggewerden, zwei oder mehr Monate später, sterben. Es gab viele Verluste, manchmal bis zu 50 Prozent. Indem wir ihnen zwei Ringe anlegen, können wir sie aus der Ferne wiederfinden."
In rund 20 Tagen geht es für die Vogelexperten erneut in den Turm der St.-Nikolaus-Kirche. Dann wird der Bruterfolg des Wanderfalkenpaares überprüft und die Jungtiere registriert. Wie sich die Wanderfalkenpopulation in Ostbelgien und darüber hinaus verändert, wird unter anderem bei "BeBirds", einer Plattform des Königlichen Belgischen Instituts für Naturwissenschaften eingetragen. Auch die Bevölkerung kann dazu beitragen, die Daten dort aktuell zu halten. Wer beispielsweise einen verletzten Vogel mit einem Ring findet, kann die entsprechenden Angaben auf der Plattform einreichen. Auch die Aves-Ostkantone bleibt natürlich ein Ansprechpartner.
Lindsay Ahn



Es wäre angenehmer, wenn sie auch in Deutschland wieder Platz hätten zu brüten.
Gegen die grenzenlose Zubetonierung Deutschlands auf dem Meter genau bis zur Staatsgrenze muss auf Europäischer Ebene was mal gemacht werden.