Über Jahre hinweg soll der ehemalige Co-Präsident des RFC Union Kelmis, Michael Lenaerts, sich an Minderjährigen vergangen haben. Schon 2025 hatte das Strafgericht von Verviers ihn zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt. Nach einem Berufungsprozess wurde das Strafmaß Ende März auf acht Jahre erhöht.
In einem Statement des RFC Union Kelmis distanziert der Verein sich klar von der Angelegenheit: "Die erwähnten Tatsachen betreffen ausschließlich die persönliche Situation der betroffenen Person und stehen in keinerlei Zusammenhang mit dem Verein." Seit seinem Rücktritt aus dem Verein vor Kurzem habe der ehemalige Co-Präsident zudem keine Funktion und keine Tätigkeit mehr innerhalb des Vereins ausgeübt.
Nachdem die erneute Verurteilung öffentlich wurde, hat die Gemeinde Kelmis den Kontakt zum Verein aufgenommen. "Wir als Gemeinde haben ebenfalls aus der Presse erfahren, was dem ehemaligen Co-Präsidenten vorgeworfen wird", erklärt der Kelmiser Sportschöffe Björn Klinkenberg. "Daraufhin haben wir dann umgehend den Vorstand kontaktiert und um eine Krisensitzung gebeten. Dieses Treffen hat am Dienstagabend stattgefunden. Mit dem Ausgang, dass man sich ganz klar von dieser Thematik und diesen schweren Vorwürfen distanziert und auch intern Maßnahmen an den Tag legen wird, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden."
Konkret haben die Gemeinde und der Verein sich darauf geeinigt, dass ab sofort alle Trainer, Trainerinnen und Vereinsverantwortlichen des Clubs ein Leumundszeugnis vorlegen müssen.
"Der RFC Union Kelmis ist eine eigenständige VoG mit einer eigenständigen Rechtspersönlichkeit. Der Vorstand agiert autonom, auch was interne personelle Entscheidungen angeht. Wir können als Gemeinde nur dringendst darauf hinweisen und dafür sensibilisieren. Und das gilt jetzt nicht nur für den Fußballverein, sondern für alle Sportvereine unserer Gemeinde, dieses Modell der Anfrage des Leumundszeugnisses dann auch durchzusetzen und eine Kultur der Prävention zu schaffen, damit solche Vorfälle in Zukunft nicht mehr auftreten."
Eine Verpflichtung für Sportvereine, das Leumundszeugnis eines potentiellen Trainers oder Vereinsmitglieds anzufragen, gibt es in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bislang nicht.
"Im dekretalen Bereich gibt es nur bei der Organisation von Sport- und Freizeitlagern die Vorgabe, dass wenn man bei der DG Unterstützung dafür anfragt, dass dort die über 18-Jährigen den Auszug aus dem Strafregister vorlegen müssen, ansonsten ist das in der Deutschsprachigen Gemeinschaft noch nicht vorgesehen", erklärt Anne Brüll vom Leitverband des Ostbelgischen Sports (LOS).
Nur wenige Vereine haben die Kontrolle des Leumundszeugnisses in ihren Leitlinien vorgesehen. Im aktuellen Fall in Kelmis hat LOS dem Fußballverein Unterstützung angeboten. Generell gibt es in Fällen von sexueller Gewalt im Sport einige Ansprechpartner in der DG.
"Es besteht immer die Möglichkeit, sich einfach an LOS zu wenden. Zwei Kollegen und ich haben uns in dem Thema auch wirklich weitergebildet", so Brüll. "Ansonsten sind wir auch in Kontakt mit der AG Leuchtturm. Das ist eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema sexueller Gewalt in der Deutschsprachigen Gemeinschaft befasst. Dort sind dann auch verschiedene Dienste vertreten, zum Beispiel der Jugendhilfedienst, Kaleido, das BTZ oder der Opferbeistand der Polizei. Da kommt man dann zusammen und da besteht auch ein gewisser Austausch. Beim Jugendhilfedienst kann man zum Beispiel immer eine anonyme Anfrage stellen."
Schon seit einigen Jahren engagiert LOS sich im Kampf gegen interpersonelle Gewalt und Grenzeverletzungen im Sport. 2023 hat der Leitverband beispielsweise die Kampagne "Gamechanger" lanciert. Im Laufe der Jahre hat sich das Thema Gewaltprävention in vielen Arbeitsbereichen von LOS angesiedelt - unter anderem in der Aus- und Weiterbildung.
"Seit 2024 werden alle Trainerinnen und Trainer und die Übungsleitungen bei uns zu dem Thema ausgebildet", sagt Anne Brüll. "Wir haben auf unserer Webseite viele Informationen zu dem Thema und auch einen Leitfaden herausgegeben: Was kann ich tun, wenn sich ein Kind mir anvertraut und was sollte ich nicht tun. Das muss ja nicht zwangläufig im Verein passieren - vieles passiert außerhalb. Und da wollen wir Trainerinnen und Trainer vorbereiten, wie sie reagieren sollen, wenn sich ein Kind ihnen anvertraut.
Wir haben auch Dokumentationsbögen entworfen, die man sich herunterladen kann. Wir versuchen einfach, die Vereine und eigentlich alle ostbelgischen Bürger mit dem Thema vertraut zu machen. Es ist eine gesellschaftliche Herausforderung."
Auch DG-Sportminister Gregor Freches betonte in einer schriftlichen Mitteilung an den BRF wie wichtig die Präventionsarbeit ist.
"Wir möchten die Sportfachverbände und Sportvereine ausdrücklich dazu ermutigen, sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und auf den Leitverband zuzugehen. Gemeinsam können, mit entsprechend ausgebildeten Personen, konkrete Konzepte für Prävention und Intervention entwickelt werden."
Auch in naher Zukunft wolle die DG die Thematik weiter vertiefen. In den kommenden Monaten sei eine Überarbeitung des Sportdekrets geplant. Dabei sollen für den organisierten Sport klare Richtlinien und Bedingungen geschaffen werden. So soll sichergestellt werden, dass Prävention und Intervention im organisierten Sport verbindlich verankert werden.
Lindsay Ahn