"Es ist schön, wieder hier zu sein": Sven Leufgen ist dieses Wochenende nochmal an seiner Heimstrecke im Einsatz. Der Schönberger, der mit Frau Wencke Engels inzwischen in Bayern wohnt, ist bei ein paar Rennen in Spa-Francorchamps dabei, um die Rennleitung zu unterstützen.
"Wir versuchen, den Rennleitern und Organisatoren Rede und Antwort zu stehen und weiterzuhelfen, wenn es Probleme gibt. Dazu kommen die Ansagen an die Marshals, die Einsatzfahrzeuge, die medizinischen Einsatzkräfte und so weiter, um alles so gut und schnell wie möglich über die Bühne zu kriegen." Als ehemaliger Sicherheitschef der Rennstrecke hat Leufgen darin eine Menge Erfahrung. Und die war es auch, die ihn jetzt nach Bulgarien gebracht hat.
Ende 2024 wechselte Sven Leufgen in die Schweiz zum Unternehmen Geobrugg, das unter anderem Sicherheitszäune für Rennstrecken herstellt. Bei einem Kundenevent begegnete er den Eigentümern einer neuen Rennstrecke in Bulgarien, die ihn nach ein paar Treffen überzeugten, für sie zu arbeiten.
"Es geht um ganz praktische Sachen, die in der Rennleitung passieren", sagt der neue CEO. "Es geht aber auch darum, wie ich einen Preis für eine Mietstrecke rechne oder was ich im Budget nicht vergessen darf, das alles natürlich angepasst an den bulgarischen Markt und an die Größe der Strecke. Damit man da weder zwei Mal zu viel noch zwei Mal zu wenig rechnet."
Die Strecke liegt in der Nähe der Hauptstadt Sofia. Für die Formel 1, WEC oder MotoGP ist sie nicht homologiert, aber die Superbike-Weltmeisterschaft könnte dort fahren. "Das ist auch das erklärte Ziel für 2028."
Vor knapp zwei Monaten ist der "A1 Motor Park" eröffnet worden. "Es war super, außer dass das Wetter da noch nicht mitgeholfen hat. Aber an den Tagen, wo die Sonne scheint, sind Motorradfahrer wie Autofahrer begeistert, es kommen auch sehr viele."
"Wir hatten auch schon die ersten nationalen Rennen, darunter ein Sechs-Stunden-Rennen. Das Land hat noch keine ausgewachsene Motorsport-Historie, Infrastruktur oder Teams so wie hier in Belgien. Es sind dann nie Felder mit riesigen Teilnehmer-Zahlen, aber die Zuschauer lieben es. Selbst bei kleineren Events sind jedes Mal über tausend Leute da, die man in Spa niemals zusammenbekommen würde."
"Der Grand-Prix in der Türkei wird ja bald zurückkommen. Als das Rennen zum letzten Mal stattfand, waren dort mehr Bulgaren als Türken. Also die Kultur und die Begeisterung für Motorsport waren schon immer da, aber jetzt ist halt auch die erste richtige Infrastruktur vor Ort, auch um internationale Rennen zu begrüßen."
Rund eine Woche pro Monat ist Leufgen in Bulgarien, auch für Geobrugg arbeitet er weiter. Dazu kommen vier bis fünf Rennwochenenden in Spa-Francorchamps. "Und dann bin ich noch mit einem deutschen Team, das Motopark heißt, bei der GT3 Revival Serie unterwegs. Da bin ich zum Beispiel in zwei Wochen wieder hier für das Spa-Classic-Wochenende. Wirklich ein superschönes gemixtes Programm."
Genug zu tun also – Heimweh nach Ostbelgien kommt da nicht auf. "Natürlich fehlt es einem, zum Beispiel bestimmte Veranstaltungen und bekannte Gesichter. Aber das Leben in Bayern und das Reisen lenken natürlich auch gut ab. Außerdem bin ich ja trotzdem noch alle zwei, drei Monate wieder hier in Spa und sehe auch meine Familie und Freunde. Wir haben da ein ganz gutes Mittelding gefunden."
Katrin Margraff



