In der Gemeinde Burg-Reuland ist der angekündigte Schöffenwechsel vollzogen worden: Chris Maus übernimmt ein Schöffenamt, nachdem sich Serge Dollendorf aus beruflichen Gründen zurückgezogen hat.
Der heute 25 Jahre alte Chris Maus war bei den letzten Gemeinderatswahlen der jüngste Kandidat auf der Liste "Aktiv gestalten" des späteren Bürgermeisters Alain Stellmann.
Nach Einsetzung des neuen Gemeinderates kümmerte sich der gelernte Agronom und Forstwirt als Sonderbeauftragter um die Bereiche Forst- und Landwirtschaft, die sanfte Mobilität und die LAG 100 Dörfer - 1 Zukunft.
Im Gemeindekollegium wird Jean Lafleur, der bei der Sitzung entschuldigt fehlte, neuer Erster Schöffe. In der weiteren Rangordnung folgen Karla Büx und Chris Maus.
Serge Dollendorf wird dem Reuländer Gemeinderat weiter angehören. Er hatte schon vor Monaten angekündigt, noch die Rechnungslegung für das vergangene Jahr vorstellen zu wollen. Das tat er nun auch mit einigen grundsätzlichen Anmerkungen.
"Wohin die Reise geht ..."
Das Haushaltsergebnis 2025 liegt bei 1.356.951 Euro. Allerdings verlange diese Zahl nach einer Erklärung, so Dollendorf, "denn nur, wenn man weiß, woher die Zahlen kommen, weiß man, wohin die Reise geht."
Zu verdanken sei dies nämlich einem "bombastischen Ergebnis" für das eigentliche Rechnungsjahr, was wiederum auf einen sehr guten Holzverkauf zurückzuführen sei, so der scheidende Finanzschöffe. Auch auf das laufende Jahr werde sich der Holzverkauf günstig auswirken.
Ansonsten zehre die Gemeinde Burg-Reuland aber von positiven Haushaltsergebnissen aus den Vorjahren. "Der rote Faden ist: die Zahlen sinken", verwies Dollendorf auf einen immer enger werdenden Spielraum für Investitionen - "wenn es so weiter geht, sind wir in sechs, sieben Jahren bei null."
Es sei auch nicht damit zu rechnen, dass es bedeutend mehr Zuschüsse von der Deutschsprachigen Gemeinschaft gebe: "Entweder werden die Prozentsätze gesenkt oder es werden weniger Zuschüsse vergeben. Auch da muss gespart werden", hieß die nüchterne Feststellung.
Auch bei der Gemeindedotation sei nicht viel zu erwarten und die Wegedotation trage nur unzureichend der Tatsache Rechnung, dass Gemeinden wie Burg-Reuland über ein großes Wegenetz verfügen. "Das ist traurig", fügte Bürgermeister Alain Stellmann hinzu. Seine Feststellung zur Finanzlage der Gemeinde: "Es wird schwieriger. Wir klagen zwar auf hohem Niveau, aber wir müssen uns im Klaren sein, dass es enger wird."
Hinzu komme die steigende Inflation und ihre Auswirkungen auf die Personalkosten, so Serge Dollendorf. "Wir müssen höllisch aufpassen, dürfen uns keine Fehlkalkulationen leisten und müssen besonnen damit umgehen", so der scheidende Schöffe, der versprach als Gemeinderatsmitglied weiterhin ein Auge auf die Finanzen zu werfen.
"Geht nicht spurlos an einem vorüber"
Serge Dollendorf war seit dem 28. Februar 2019 Schöffe in der Gemeinde Burg-Reuland. Er war seinerzeit für Karl-Heinz Cornely nachgerückt, der bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen war.
Im vergangenen November hatte Dollendorf angekündigt, sich mittelfristig vom Schöffenamt zurückziehen zu wollen. Als Grund gab er an, wegen seiner beruflichen Verpflichtungen nicht ausreichend Zeit für das politische Tagesgeschäft zu haben. Im Gemeinderat bedankte er sich nun bei seinen Kollegen aus dem alten und neuen Gemeinderat - als Zuschauerinnen waren am Dienstagabend unter anderem Ex-Bürgermeisterin Marion Dhur und die früheren Schöffinnen Sonja Houscheid und Erika Theis im Gemeindehaus in Thommen.
Dollendorf bedankte sich auch bei den Mitarbeitern in der Gemeindeverwaltung und im Bauhof. "Sie setzen um, was wir hier beschließen, ihre Arbeit ist nicht selbstverständlich."
Er dankte auch seinem Nachfolger Chris Maus, der ihm ermöglicht habe, schon nach gut einem Jahr in der neuen Legislaturperiode das Schöffenamt weiterzugeben. Der Wechsel war ursprünglich zur Hälfte der Legislatur geplant. Die neuen Ratsmitglieder hätten sich aber sehr schnell eingearbeitet, so dass er diesen Schritt jetzt vollziehen könne.
Die Arbeit als Schöffe seit mit seinen beruflichen Verpflichtungen nur schwer zu vereinbaren gewesen. Sie sei aber sehr aufschlussreich gewesen. "Man sieht die Gemeinden nicht mehr mit den gleichen Augen", so Dollendorf, "das geht nicht spurlos an einem vorüber."
Stephan Pesch