Zehn Jahre Planung, zweieinhalb Jahre Bau: Jetzt ist es soweit - das neue Staatsarchiv in Eupen ist offiziell eröffnet worden. Ein heller Lesesaal, moderne Arbeitsplätze - und vor allem: genug Platz für kilometerlange Aktenbestände. Davon konnten sich am Dienstag die zahlreichen geladenen Gäste ein Bild machen.
Auch die föderale Ministerin Vanessa Matz war eigens zur Eröffnung nach Eupen gekommen. Zuständig ist sie gleich doppelt: als Ministerin für Gebäuderegie und Wissenschaft. Für sie sind Staatsarchive unverzichtbar, denn hier werden Originale aufbewahrt.
"In einer Gesellschaft, in der Informationen angezweifelt werden und Fake News zur Regel geworden sind, dienen Archive der Authentifizierung und Überprüfung von Quellen. Sie schlagen eine Brücke in die Zukunft und helfen uns, diese Zukunft zu gestalten", so Ministerin Matz.
Neben den digitalen Archiven bleibt auch der Zugang vor Ort wichtig - gerade für Menschen, die nicht alles online recherchieren können. Dass das Archiv intensiv genutzt wird, bestätigt auch Leiterin Els Herrebout. Seit dem Umzug sind schon zahlreiche Besucher da gewesen - auch, weil viele Aktenkilometer jetzt wieder zugänglich sind, die vorher aus Platzgründen ausgelagert werden mussten.
Jetzt kommen Forscher, Studenten und auch Bürger finden den Weg ins Staatsarchiv. "Sie können sehr unterschiedliche Anliegen haben. Sie können Familienforschung machen. Sie können etwas recherchieren über ihr Haus, über ihre Gemeinde. Sie können sich interessieren für ein Thema aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Das geht vom Mittelalter bis zur Nachkriegszeit. Wir haben interessante Bestände, die wir jetzt in den letzten Jahren erschlossen haben, wo Sie dann auch die Geschichte der Deutschsprachigen Gemeinschaft recherchieren können, auch nach 1975", erklärt Els Herrebout.
Im Archiv lagern teils jahrhundertealte Dokumente - darunter Pergamentakten der Pfarre Reuland oder eine Rolle mit Informationen zu den Einwohnern der Herrlichkeit Lontzen aus dem 14. Jahrhundert. Im neuen Gebäude können diese alten Schätze auch optimal aufbewahrt werden. Denn damit Papier, Kartenmaterial und Fotos erhalten bleiben, braucht es konstante Temperaturen und eine kontrollierte Luftfeuchtigkeit.
Der Bau des neuen Gebäudes war allerdings alles andere als einfach - vor allem wegen der Lage mitten am Kaperberg. Dominique Bourseaux von der Gebäuderegie hat das Projekt über die Jahre betreut. Die größte Herausforderung war für sie "die enge Nachbarschaft, die Schule, die Anwohner und auch die Baustelle von Kaperberg 6 für die Deutschsprachige Gemeinschaft. Wir haben das große Glück gehabt, dass das der gleiche Unternehmer war wie für dieses Gebäude, weil es nur einen Zugang gab. Das hat es viel leichter gemacht, dass es eben nur ein Unternehmer für die zwei Baustellen war."
Jetzt ist das Eupener Staatsarchiv bereit für alles, was noch dazukommt: neue Geschichten, neue Akten - und neue Besucher.
Am 25. April organisiert das Staatsarchiv einen Tag der Offenen Tür. Alle Informationen dazu gibt es auf der Webseite des Staatsarchivs.
Gaby Zeimers


















