Der aus Kelmis stammende Journalist, der seine Laufbahn beim BRF und WDR begann, war für das ZDF als Reporter in Kriegs- und Krisenregionen unterwegs, Auslandskorrespondent und Studioleiter in Kairo und Istanbul. Er kennt die Länder des Nahen Ostens aus persönlicher Erfahrung: "Es sind phantastische Länder und uralte Kulturstädte. Isfahan ist eine unglaublich schöne Stadt. Der Oman zum Beispiel ist traumhaft. Und die Menschen, wenn man sie privat dort trifft, sind immer aufgeschlossen und fast immer interessiert." Gleichzeitig räumt er ein, dass es eine krisengeschüttelte Region ist. "Es gibt natürlich die politischen Hardliner, die Extremisten in all diesen Ländern. Aber es gibt eben auch die unglaublich lange zurückreichende politische Gemengelage, die dazu führt, dass diese Länder nicht zur Ruhe kommen."
Eine Zäsur für die Region sei der 7. Oktober 2023 gewesen: der brutale Angriff von Hamas-Terroristen auf die israelische Zivilbevölkerung. Die Reaktionen der Regierung Netanjahu seien zu erwarten gewesen, analysiert Luc Walpot. "Und die haben uns letzten Endes zu diesem Iran-Krieg geführt. Im Prinzip war das bei Netanjahu schon am Tag danach, dem 8. Oktober, klar: 'Das werden wir nicht mehr mitmachen. Wir werden versuchen, diese Bedrohung für Israel, die letzten Endes aus dem Iran kommt - das sind alles iranische Proxi-Milizen, die um Israel herum agieren - , die werden wir versuchen auszumerzen'."
Und das mit Hilfe der Militärmacht USA, erklärt Walpot. "Laut New York Times waren die Amerikaner alle skeptisch, sowohl der Außenminister als auch der Verteidigungsminister, vor allem aber die CIA und Geheimdienstexperten. Nur Trump war der Ansicht, ja, das machen wir. Es ist schon auch ein amerikanischer Krieg. Aber der Impuls kam von Israel, präziser von Regierungschef Netanjahu."
Auch wenn Israel militärische Erfolge erzielt habe, das politische Ziel eines Regimewechsels im Iran habe Netanjahu nicht erreicht. So wie im Gazastreifen, der zwar militärisch zerstört sei, aber die Hamas sei nicht besiegt. "Die Hamas wird nicht aufhören, Israel anzugreifen, zu bedrohen und zu bekämpfen. Aus sicherheitspolitischer Sicht ist das Vorgehen der Regierung in Jerusalem verständlich. Sie müssen versuchen, diese Bedrohung zu verringern respektive auszuschalten. Ob sie das mit diesem verheerenden Krieg geschafft haben, das ist eine andere Sache. Experten sagen Nein. Rechtfertigt es, eine Infrastruktur für zwei Millionen Menschen mit mehr als 50.000 Toten in Kauf zu nehmen, um eine Terrorgruppe auszuschalten, die nachweislich immer noch da ist, wenn auch nicht mehr in der Bewaffnung und Sicherheitsbedrohung für Israel? Das ist mehr als ein großes Fragezeichen. Die Antwort ist eher Nein."
Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten haben enorme Auswirkungen auch auf Europa: wirtschaftlich und sicherheitspolitisch. Die Einflussmöglichkeiten Europas seien begrenzt bis nicht vorhanden, sagt Luc Walpot. "Wir könnten wirtschaftlich vielleicht Druck auf Israel ausüben, aber das ist nicht so einfach. Man kann sagen, wir kaufen keine Orangen mehr oder keine Pistazien mehr aus Israel. Aber die Wahrheit ist: Wir kaufen massiv Rüstungsindustrie aus Israel, weil wir die brauchen. Die Verträge stehen. Und Israel soll auch unsere Rüstungsgüter kaufen. Also, das ist unlauter zu glauben, wir könnten Druck ausüben, weil wir so verflochten sind."
Ausführliches Radio-Interview mit Luc Walpot im Player:
Veranstaltungen im Rahmen der Karlspreisverleihung an Mario Draghi: karlspreis.de.
Michaela Brück