Uganda - das Land am Victoriasee und Heimat der Berggorillas. Ein Land, das Touristen anzieht. Verständlich, sagt auch Dr. Angelika Matulla-Marcus. "Weil dieses Land einfach so viel Schönheit hat. Dadurch, dass es so stark regnet, gibt es Wasserfälle und Natur und Pflanzen und Tiere - ganz toll."
Aber - und ja, es gibt ein großes "aber": Angelika Matulla-Marcus hat auch eine andere Seite des Landes kennengelernt. Sie hat in einer Klinikpartnerschaft gearbeitet. Einen Monat lang war sie in einem kleinen privaten Non-Profit-Krankenhaus. Sie ist zusammen mit einer Ultraschallspezialistin dort gewesen, um Personal zu schulen. Ihre Erfahrung als Entwicklungshelferin hat ihr dabei geholfen. "Ich konnte erst mal die Klappe halten und mir das anschauen, wie die das da machen. Ich habe gesagt: 'Ihr führt das Krankenhaus und ich möchte nur mit euch austauschen' und habe mir nicht dieses Expertentum auf die Fahne geschrieben."
Alles andere als von oben herab sollte die Schulung sein, die dringend notwendig war. Denn es ging vor allem um das Thema "Mütter- und Kindersterblichkeit", die in Uganda noch sehr hoch ist. Die Arbeit bestand vor Ort beispielsweise daraus, "Notfallstandards zu überarbeiten und die dann auch im Kreißsaal aufhängen zu können. Das haben wir am Ende auch geschafft, da bin ich stolz drauf. Notfallstandards in der Hauptursache: Blutungen nach der Geburt. Das ist die häufigste Todesursache und da muss man schulen, schulen, schulen, denn da zählt die Zeit".
Die Arbeit vor Ort hat ihr Spaß gemacht. Sie ist für die Schulungen nämlich kurzerhand zur Patientin geworden. "Ich war dann die Frau, die das Kind bekommen hat, und bin ohnmächtig geworden, weil ich nach innen blutete - ganz gemein, weil man das ja nicht sieht. Dann musste man mich retten und man hat mich x-mal gerettet." Das sei oft mit Lachen und Freude verbunden gewesen. Sowieso sei diese interaktive Weiterbildung gut angekommen.

Das kleine Krankenhaus ist bereit, das neu gewonnene Wissen in Zukunft mit anderen Gesundheitsposten in der Umgebung zu teilen. Auch die hat sich Angelika Matulla-Marcus angeschaut. "Wir waren zum Beispiel in einem Gesundheitsposten, da gab es 32.000 Geburten pro Jahr, da ging es richtig ab. Die haben in diesem Krankenhaus gute Medizin gemacht." Sie bewundere die afrikanische Mentalität - denn auch wenn 30 oder 50 Personen vor ihnen in der Warteschlange stehen, behielten sie die Ruhe - obwohl dort so viel Leid zu spüren sei.
Mit all den Eindrücken ist sie nach vier Wochen Ende März wieder nach Ostbelgien zurückgekehrt. Rückblickend hat sie das Gefühl, dort wirklich etwas bewegt und bewirkt zu haben. "Das schönste war, am Tag bevor diese Notfallstandards aufgehängt wurden, ist der ganze Kreißsaal aufgeräumt und umorganisiert worden - ohne dass ich etwas gesagt habe. Das war so schön für mich zu sehen, dass ich etwas bewirkt habe, ohne viel zu sagen."
Dr. Angelika Matulla-Marcus nutzt ihren Ruhestand, um solche Projekte zu unterstützen. Für sie hat die Geburtshilfe nie ihren Zauber verloren, auch nicht nach der Pension. "Wenn da so kleine Menschenwesen auf die Welt kommen, wie da gestrahlt wird und ich das miterleben durfte. Auch wenn einige Frauen nicht nach Hause gehen, weil sie verbluten. Sie starten schon mit schlechtem roten Blutfarbstoff, weil sie mehrere Male Malaria gehabt haben. Aber Geburtshilfe ist etwas, für das man brennt. Das ist schön."
Lena Orban