Es ist ein friedlicher Morgen an der Enkelberger Mühle. Wolkenloser Himmel, Frühlingstemperaturen. Die unzähligen Narzissen leuchten im Sonnenschein. Ein Naturschauspiel im Holzwarchetal - jedes Jahr aufs Neue.
"Narzissen benötigen naturbelassene Böden. Die Täler hier sind sehr offen, so können sie natürlich vom ersten Licht im Frühjahr profitieren", sagt Sarah Pieper von Natagora Ostbelgien.
Die Blüte dauert nur wenige Wochen an - je nach Witterung ist es meist rund um die Ostertage so weit. Ein klein wenig Hilfe von Menschenhand ist mitunter notwendig, damit die Narzissenpracht nicht verschwindet.
"Die Narzisse wächst natürlich", erklärt Pieper. "Nur ist es so, dass das Tal ja offen gemacht werden muss. Das war vorher komplett zugewachsen. Das haben wir Menschen, viele Naturschützer offen gemacht. Und es muss natürlich auch ein bisschen bei gehalten werden. Wenn es zuwächst, verschwindet auch die Narzisse."
Pflücken verboten
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Narzissen im Holzwarchetal sind noch begrenzt, meint Pieper: "Der Narzisse würden wahrscheinlich eher Dürreperioden zum Verhängnis werden. Ich denke, das ist hier nicht der Fall, weil das Tal doch sehr feucht ist. Aber auf den Wiesen könnte das schon problematisch werden."
Die gelbe Pracht zieht jeden Frühling zahlreiche Menschen an. Die erfreuen sich an den vielen, vielen Narzissen. Doch manchmal bleibt es eben nicht beim Anschauen. Die Blumen zu pflücken, ist verboten.
"Der erste Grund ist: Wenn jetzt jemand kommt, zehn pflückt und sagt: 'Das sind ja nur zehn für mich'. Wenn das jeder sagt und hier tausend Menschen herkommen, dann sind wir flott bei zehntausend und mehr", sagt Pieper. "Das zweite Problem ist, dass die Blüte der Narzisse zuerst bestäubt werden muss, um Samen zu bilden, um sich fortzupflanzen. Und wenn man die Narzisse zu früh pflückt, dann kommt auch nichts mehr nach."
Schäden durch Besucher
Und die Wanderer sollten zudem auf den Wegen bleiben. Denn, so erklärt Pieper: Betreten Menschen die Narzissenwiesen, verdichtet sich dort der Boden. Das hat zur Folge, dass an diesen Stellen keine Narzissen mehr wachsen.
"Sie braucht Sauerstoff im Boden und einen lockeren Boden. Durch diese Verdichtung kommt da nichts mehr nach. Hier gibt es einige Beispiele in dem Tal, wo sich die Menschen einfach nicht daran gehalten haben. Man sieht den Schaden direkt."
Noch stehen die Narzissen in voller Blüte. Das soll auch am Wochenende (11. und 12. April) noch der Fall sein, wenn Natagora Ostbelgien an der Enkelberger Mühle sein Narzissenfest veranstaltet. Mit Kinderprogramm, mit Essen und Trinken und mit geführten Wanderungen, unter anderem zu den Themen Botanik und Geschichte. Und erstmals in diesem Jahr findet das Fest am Samstag und Sonntag statt.
Moritz Korff











