Wer die Halle in Malmedy betritt, sieht zunächst ein ungewöhnliches Muster: Der Boden und die Wände sind mit riesigen QR-Codes übersät. Diese Markierungen sind das Herzstück der Technik. Sie erlauben es den Kameras in den VR-Brillen, die Position der Spieler und ihrer digitalen Waffen zentimetergenau zu erfassen. Sobald die Brille sitzt, verwandelt sich die kahle Halle in eine postapokalyptische Ruinenlandschaft voller Gefahren.
Teamplayer statt Einzelkämpfer
Entwickelt wurde das von der französischen EVA-Gruppe, die weltweit VR-Arenen betreibt. In Malmedy und neuerdings auch in Lüttich hat Jacou Naway mit einem Geschäftspartner das Franchise übernommen – zwei von fünf Standorten in Belgien. Er betont, dass VR-Gaming den sozialen Aspekt zurück in den Fokus rückt: "Anstatt alleine hinter einem PC zu sitzen, oder Playstation zu spielen, spielt man zusammen mit maximal zehn Personen. Das kann man mit Freunden oder der Familie."
Vom Hobby zum Hochleistungssport
Dass es sich hierbei um weit mehr als eine Spielerei handelt, beweist Naway selbst. Er gehört zur belgischen Nationalmannschaft und misst sich auf internationalem Parkett. "Wir haben in Katar gegen die USA und Frankreich gespielt. Leider waren wir Zweiter, Frankreich auf Platz eins."

Für Außenstehende mag der Anblick von Menschen, die mit futuristischen Plastikgewehren und klobigen Brillen durch eine leere Halle schleichen, fast wie ein merkwürdiger Tanz wirken. Doch für die Spieler ist es purer Überlebenskampf.
Noah Ernst hat den Selbsttest gewagt. "Es ist auf jeden Fall mal etwas anderes. Es war sehr sehr cool im Gegensatz zu anderen VR-Sachen, die ich bisher gemacht habe. Sich hier frei zu bewegen, hat auch richtig Spaß gemacht. Es ist eine sehr tolle Erfahrung."
Ein wachsender Markt
In Malmedy gibt es Mannschaften, die hier regelmäßig trainieren. In der Arena finden auch regelmäßig Meisterschaftsspiele statt. Gespielt wird im Format Vier-gegen-Vier. Wer gewinnen will, muss sprinten, abtauchen und taktieren. Die Szene wächst rasant: Laut Naway winken bei internationalen Wettbewerben bereits Preisgelder von bis zu 50.000 Euro – mit Aussicht auf Millionenbeträge in der nahen Zukunft.
Manuel Zimmermann