Regelmäßig empfängt Karsten Brandt Besuchergruppen an seiner Wetterstation. Hier gibt es viel zu entdecken, und bei weitem nicht nur Messgeräte. Seit 2010 wächst neben der Wetterstation ein Garten, der das Klima misst. Alle Pflanzen hier sind Klone. "Das Programm wurde von einer Universität in Berlin entwickelt. Die Forscher wollten wissen, wie verschiedene Pflanzensorten in unterschiedlichen Regionen auf das Klima reagieren und wie sich diese Reaktion im Laufe der Jahre verändert. Dazu haben sie genetisch identische Pflanzen an Gärten weltweit verschickt", erklärt der Wetterexperte.
Die Pflanzen sind genetisch identisch, damit die Wissenschaftler sicher sein können, dass die Unterschiede, die sie beobachten, nur am Wetter und Klima der Standorte liegen: "Man will die Faktoren Wetter, Witterung und Klima genau isolieren. Man hat hier sogar Bodenproben genommen, man hat alles untersucht, um jetzt zum Beispiel sagen zu können, dieser Baum blüht jetzt früher, weil es wärmer geworden ist."
Der Garten zeigt also die andere Seite der Wettervorhersage, erklärt Brandt: "Und deswegen wollte ich unbedingt daran teilnehmen. Dann habe ich dahin geschrieben und die haben gesagt, super, weil Mittelgebirgsstandorte selten sind. Wir sind - glaube ich - weltweit immer noch der einzige Mittelgebirgsstandort, der an dem Programm teilnimmt. Hier in Ostbelgien, am Weißen Stein mit 648 Metern Höhe."
Dabei ist der Weiße Stein in illustrer Gesellschaft: Zwillingsgärten stehen zum Beispiel in Tokio oder Berlin. Wichtig für alle Gärten ist, dass die Pflanzen darin weltweit angebaut werden können und “typisch” sind, also zum Beispiel auch im professionellen Obstbau verwendet werden. So können auch Landwirte aus den Forschungsergebnissen lernen. Auch ein wichtiger Punkt, für Allergiker: die Beobachtung des Pollenflugs ”Und selbst wenn so eine Pflanze eingeht, ist das ein wichtiges Signal. Es verändert sich ja Vieles im Moment, es wird schnell wärmer. Das bedeutet aber nicht, dass wir hier in der Eifel alles anbauen können. Fröste wird es immer noch geben und unser Klima hier bleibt auch sehr nass. Was funktioniert in Zukunft? Das wollen wir wissen."
Das Thema, welche Pflanzen wo in Zukunft wachsen können, kommt immer wieder. "Es ändert sich unglaublich viel. Die Blühphasen gehen sowas von nach vorne. Wir hatten dieses Jahr Blühphasen vier bis fünf Wochen früher, als noch in den 10er Jahren. Als ich 2010 angefangen habe, das war ein relativ kaltes Jahr. So wie in den 70er oder 80er Jahren. Da hat alles erst Ende April - Anfang Mai geblüht."
So sammelt der Meteorologe Daten, die heute, aber auch in hundert Jahren nützlich sein werden. Seine große Hoffnung sei, erklärt er, dass irgendwann mal Studenten auf die Aufzeichnungen stoßen und dann sehen können, wie sich in unserer Zeit das Klima, die Natur und dadurch auch unsere Lebensumstände verändert haben.
Anne Kelleter





