Entdeckt wurden die Bilder von den Autoren Robert Fuchs und Manfred Klein vom Team Grenzland in Flammen in amerikanischen Archiven. Eigentlich waren sie für militärische Zwecke gedacht: Die US-Armee wollte damit die Gefechtsverläufe der Ardennenoffensive rekonstruieren. Heute dienen sie als visuelle Zeitreise für die Bevölkerung.
Im ausverkauften Kino Scala in Büllingen wird schnell klar: Die Aufnahmen faszinieren. Die Schrägbildaufnahmen aus den Jahren 1947 und 1948 wirken fast dreidimensional. Zuschauer versuchen, bekannte Orte und Häuser wiederzuerkennen.
Robert Fuchs erklärt die Idee hinter dem Projekt: "Wir haben diese Bilderserie in amerikanischen Archiven entdeckt und sie für unsere filmischen Zwecke nicht verwenden können. Und daher kam die Idee, in die Dörfer zu gegen und den Menschen diese Bilder etwas näher zu bringen. Die Qualität ist hochauflösend."
Die großformatigen Originalbilder ermöglichen es, tief in die damaligen Ortsstrukturen hineinzuzoomen - etwa in Rocherath-Krinkelt, Manderfeld, Lanzerath oder Büllingen. Genau darin liegt der Reiz: Die Bilder werden zu einer Art kollektiver Erinnerung.

Immer wieder zeigen Besucher auf die Leinwand und erkennen Vertrautes wieder. "Ich habe mich schon seit Tagen gefreut", sagt Anja Christen aus Lanzerath. Egon Koch aus Büllingen ergänzt: "Ich habe ein Haus entdeckt - das Elternhaus meiner Mutter. Das hat mich fasziniert".
Auch Bürgermeister Rainer Stoffels sieht darin mehr als nur eine Ausstellung: "Die Faszination liegt darin, dass die Leute diese Bilder kommentieren. Es ist wichtig, das in Erinnerung zu rufen, was vor 80 Jahren passiert ist".
Denn genau daran mangelt es oft: an Bildmaterial aus dieser Zeit. "Es gab im zivilen Leben kaum jemand, der einen Fotoapparat hatte", erklärt Fuchs. "Wo sieht man sonst einen kompletten Ort mit dem gesamten Häuserbestand?"

Wer die Zeitreise verpasst hat, bekommt bald eine neue Chance: Am 19. April werden im Kino Corso in St. Vith weitere Luftbilder gezeigt - unter anderem von St. Vith, Wallerode und Schönberg.
Langfristig planen die Autoren zudem einen Bildband, der die Nachkriegszeit aus der Vogelperspektive festhält.
Manuel Zimmermann