Dem Bio-Landwirt Dany Josten aus Mürringen ist das passiert, was viele Tierzüchter fürchten. Vor nicht allzu langer Zeit gab es auf dieser Wiese einen Wolfsangriff auf seine Rinder.
"Wir hatten eine Kuh, die hat ein Kalb bekommen und am Tag danach war dieses Kalb unauffindbar. Für uns war es evident. Die Herde war sehr unruhig und in der näheren Umgebung sind auch Wölfe gesichtet worden auf den Kameras der Jäger. Für mich war direkt klar, dass das in Verbindung mit einem Wolf sein musste", erinnert sich Josten.
Er meldete den Vorfall den zuständigen Stellen - auch ohne eine DNS-Analyse hielten diese einen Wolfsangriff für möglich. Der Kontakt zum sogenannten "Wolf Fencing Team" wurde hergestellt. Das Team besteht aus Freiwilligen, die vor allem in Gebieten mit hohem Wolfsvorkommen Schutzzäune bauen.
Auf dem Land von Dany Josten wird seit Ende März an einem solchen Zaun gebaut. Rund sechs Hektar sind betroffen - nur ein kleiner, aber wichtiger Teil der insgesamt 110 Hektar des Landwirts. In dem geschützten Bereich sollen die Kühe in Zukunft ihre Kälber gebären.
Bei dem Zaunbau werden etwa 6.000 Meter Draht und rund 1.250 Isolatoren genutzt. "Die Zäune bestehen aus fünf Drähten: einem unteren in rund 20 Zentimetern Höhe, der verhindert, dass der Wolf hindurchschlüpft, mehreren Zwischendrähten, die ein Durchbrechen in der Mitte verhindern sollen und einem mindestens 1,20 Meter hohen Draht, der verhindert, dass der Wolf über den Zaun kommt", erklärt Rémi Somers, der Leiter des wallonischen Wolf Fencing Teams.
"Die Zäune sind zudem elektrifiziert mit einer permanenten Spannung von mindestens 6.000 bis 10.000 Volt. So soll der Wolf lernen, dass der Zaun ihm weh tun kann - und vermeiden, hindurchzugehen."
Schon seit 2021 gibt es in Flandern ein Wolf Fencing Team. 2023 kam das Team in der Wallonie dazu. Rund 85 Freiwillige sind registriert, etwa 20 davon sind regelmäßig im Einsatz. In der Wallonie arbeitet das Wolf Fencing Team mit der Vereinigung Natagriwal zusammen.
"Um Unterstützung von Natagriwal oder dem Wolf Fencing Team zu erhalten, gibt es keine besonderen Voraussetzungen. Jeder Züchter, ob professionell oder nicht, kann sich zunächst an Natagriwal wenden, um sich über verfügbare Hilfsangebote beraten zu lassen", so Somers. "Ebenso kann sich jeder Züchter an das Wolf Fencing Team wenden, um Hilfe, Beratung zu Ausrüstungslisten oder Unterstützung bei der Zaunmontage zu erhalten."
In der Region sind Wolfsangriffe eher selten. Zwar leben im Hohen Venn einige Wölfe, die konzentrieren sich aber hauptsächlich auf Wildtiere, sagt Somers. Trotzdem komme es immer wieder zu Wolfsrissen - besonders gefährdet sind Schafsherden. Der Zaun kann helfen, bietet aber auch keine 100-prozentige Sicherheit.
"Ich habe ja auch andere Tiere, die draußen sind", so Josten. "Klar, es bleibt immer noch eine Angst vor Attacken. Man muss sich das auch einfach vorstellen: Ein Wolf ist hinter einer Herde, die ausbricht, dann kommt vielleicht ein Auto nachts und fährt in diese Herde rein. Das kann schon kapitale Folgen haben, mit Verletzten und Toten. Dessen muss man sich schon bewusst sein."
Die Chancen, dass die Herde durch den Zaun in Zukunft geschützt sein wird, stehen trotzdem gut. Nach Angaben des Wolf Fencing Teams gab es seit Gründung der Organisation keine Angriffe mehr auf gesicherten Flächen. Damit das so bleibt, müssen die Landwirte und Tierzüchter die Zäune regelmäßig kontrollieren und instand halten. Gras, das an dem Zaun hochwächst oder Äste, die gegen die Drähte kommen, können den Strom ableiten und den Schutz einschränken.
Damit auch künftig mehr Herden gesichert werden können, freut sich das Wolf Fencing Team immer über weitere freiwillige Helfer.
Lindsay Ahn



