Unter der Schirmherrschaft von Parlamentspräsidentin Patricia Creutz-Vilvoye und begleitet von den Klängen des Pianisten Stefan Pitz wurden drei Persönlichkeiten geehrt, deren Werke tief in die Seele Ostbelgiens blicken lassen.
Ronald Goffart erhielt die Auszeichnung im Bereich Biografien für die literarische Aufarbeitung der Erinnerungen seiner Großmutter Lily Pierry, die in Malmedy im Krieg aufwuchs und mit 17 als Flak-Helferin rekrutiert wurde. Die Laudatio hielt der Historiker Dr. Philippe Beck, der das Werk als vielschichtige, differenzierte und pazifistische Erinnerungsgeschichte würdigte. Der Leser erhalte die Möglichkeit, die Komplexität der Situation zu erfassen und die Erlebnisse der Protagonisten nuanciert einzuordnen. Ronald Goffart zeigte sich bei seiner Dankesrede sehr emotional und war den Tränen nah.
"Jeder hat das vielleicht mit seinen Großeltern oder Urgroßeltern erlebt. Man sprach von Clans: Pro-Deutsch oder Pro-Belgisch. Alles ganz schwarz oder weiß. Das war aber nicht so. Laudator Beck hat das ganz gut erklärt. Das ist ganz grau. Man soll die Leute nicht einen gegen den anderen stellen."
Bei Sabine Rixen stand in der Kategorie Kunst und Kultur ihr Werk „Zink“ im Mittelpunkt, das die Geschichte von Neutral-Moresnet und die eigene Familiengeschichte mit Zeichnungen und Gemälden verbindet. Die Laudatio hielt Ikob-Direktor Frank-Thorsten Moll, der die starke regionale Aussagekraft hervorhob.
Demnach verbinden ihre Bilder die vielschichtige Identität Ostbelgiens, Industrieerfahrung und Grenzerlebnisse und leisten einen Beitrag zur kulturellen Selbstverständigung der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Sie mache die Geschichte Ostbelgiens visuell erfahrbar. Rixen: "Die Anerkennung bedeutet mir sehr viel, weil es ein Projekt war, das viel mit meiner Familiengeschichte zu tun hat und auch mit der Geschichte meiner Heimat, der Region Ostbelgien."
In der Kategorie Staatswissenschaften wurde Cédric Istasse für seine präzise und nüchterne Analyse der institutionellen Besonderheiten der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Zuge der Staatsreformen ausgezeichnet. Seine französischsprachige Veröffentlichung für das unabhängige Forschungszentrum "Crisp" wurde in der Laudatio des ehemaligen Präsidenten des Gerichts Erster Instanz in Eupen, Rolf Lennertz, für ihre besondere Detailtiefe gewürdigt. "Herr Istasses Studie kann ohne jede Übertreibung als ‚das‘ Referenzwerk für die empirische Dokumentation der politischen und institutionellen Geschichte der DG bezeichnet werden", sagte Lennertz.
Istasse, der sich auch mit den Möglichkeiten einer siebten Staatsreform beschäftigt, erklärte nach der Veranstaltung, dass nicht die DG die komplexeste Situation darstelle. "Die härteste Nuss in Belgien ist die Situation in der Region Brüssel, wo es objektiv gesehen für einzelne Themen nur ein bis zwei Spezialisten gibt, die die Materie verstehen. Selbst in den Verwaltungen hat man es schwer, die Gesetzgebung anzuwenden."
Das Fazit der Veranstaltung kann so lauten: Drei Preisträger mit drei ganz unterschiedlichen Perspektiven, aber ein gemeinsames Ziel: das Verständnis dafür zu schärfen, wer die Ostbelgier sind und woher sie kommen.
Manuel Zimmermann


