Mit den Maschinen von "Automation & Robotics" werden jeden Tag 1,6 Millionen Linsen unter die Lupe genommen. In der Firma werden Mess- und Prüfmaschinen für Brillengläser hergestellt. Das Unternehmen beschäftigt 170 Mitarbeiter, davon 120 in Lambermont.
"Wir haben hier in Belgien ein bedeutendes Forschungs- und Entwicklungszentrum, weshalb wir auch heute noch weltweit führend sind", erklärt der Firmendirektor Laurent Provost. "Diesen Standort müssen wir unbedingt fördern. Hinzu kommt der wichtige Aspekt der Ausbildung, denn die hier Beschäftigten verfügen über spezifische Qualifikationen, die nicht immer leicht zu finden sind. Es ist daher entscheidend, die Ausbildung junger Menschen weiterhin zu unterstützen, damit wir den zukünftigen Bedarf decken können - sei es in den Bereichen Design, Forschung und Entwicklung, Ingenieurwesen oder auch im internationalen Dienstleistungssektor."
Neben den Technologie setzt das Unternehmen aber auch auf ein innovatives Firmenmodell. Um die Verlagerung der Firma ins Ausland zu verhindern, hat der Gründer Christian Closset den Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, Anteile an dem Unternehmen zu kaufen. Fünf Jahre nach dieser Entscheidung gehört ein Drittel des Unternehmens 85 Prozent der Belegschaft. Das Ergebnis: Der Umsatz ist um über 50 Prozent gestiegen und der Gewinn vor Zinsen und Steuern hat sich versiebenfacht.
Letzten Sommer haben sich die Mitarbeiter mit Anteilen dann dazu entschieden, sich "Essilor Luxottica" anzuschließen, dem französisch-italienischen Giganten hinter Oakley und Ray-Ban. Kein unbekannter Partner, denn "Automation & Robotics" entwickelt für "Essilor Luxottica" schon verschiedene Technologien - zum Beispiel im Bereich der intelligenten Brillen.
"Wir sind in der Beherrschung dieser Technologien unverzichtbar geworden, die es ermöglichen werden, solche Lösungen zu industrialisieren und zu vermarkten. 'Essilor Luxottica' ist auf uns zugekommen und hat gesagt, dass sie immerhin rund 60 Prozent unseres Umsatzes ausmachen, dass sie weiter mit uns zusammenarbeiten wollen - sich das aber nicht vorstellen können, ohne dass wir Teil der 'Familie' werden", erklärt Provost.
"Wir standen also vor einer Entscheidung: unabhängig bleiben, mit Mitarbeiterbeteiligung, aber mit dem Risiko, einen erheblichen Teil unseres Umsatzes zu verlieren. Oder diesen Schritt gehen - allerdings unter der Voraussetzung, dass wir das, was die DNS des Unternehmens ausmacht, richtig verhandeln und absichern. Also nicht nur den Kaufpreis, sondern auch den Schutz unserer Werte, unserer Innovationskraft und unserer Ideenentwicklung."
Heute gilt das Unternehmen aus Lambermont bei "Essilor Luxottica" als Pilotprojekt. Ziel ist es, dort neue Formen von unternehmerischem Arbeiten zu testen - und den Mitarbeitern mehr Raum für Innovation zu geben.
vedia/la