Pascale Schröder arbeitet seit über 20 Jahren als selbstständige Dolmetscherin. Dass Künstliche Intelligenz ihre Arbeit beeinflusst, spürt sie deutlich – vor allem im Bereich der schriftlichen Übersetzungen. "Da ist die Nachfrage schon enorm zurückgegangen. Viele Menschen lassen ihre Texte inzwischen von ChatGPT oder DeepL übersetzen."
Anders sieht es bei sensiblen Inhalten aus. Gerade beim Thema Datenschutz sind bei KI-Anwendungen noch viele Fragen offen. Deshalb vertrauen viele weiterhin auf die Diskretion menschlicher Übersetzer.

Beim Simultandolmetschen – also dem direkten, zeitgleichen Übersetzen – stößt die KI jedoch schnell an ihre Grenzen. "Gerade bei gesprochener Sprache wird es schwierig. Wenn zum Beispiel ein Franzose Englisch spricht, muss man fast selbst Französisch können, um alles zu verstehen. Da kommt die KI noch nicht hinterher. In solchen Fällen bleibt der Mensch die Nummer eins", sagt Pascale Schröder.
Auch wenn die Technik beim Simultandolmetschen noch nicht vollständig mithalten kann, ist sich Pascale Schröder sicher, dass sich KI langfristig auch in diesem Bereich durchsetzen wird. "Ich hoffe natürlich, dass ich noch bis zur Pension durchkomme. Aber ich weiß nicht, ob ich eurer Generation raten würde, sich nur aufs Dolmetschen zu konzentrieren."
"KI mächtiges Werkzeug der Werbebranche"
Der Geschäftsführer der Werbeagentur Indigo, Pierre Benker, arbeitet seit über 30 Jahren in der Werbebranche. Für ihn steht fest: Künstliche Intelligenz ist ein mächtiges Werkzeug. "Wir nutzen sie vor allem in der Bildbearbeitung und Gestaltung. In diesen Bereichen greifen wir inzwischen täglich auf KI-Programme zurück.“
Ein Beispiel ist, dass sich Schwarz-Weiß-Bilder mithilfe von KI in realistisch wirkende Farbbilder umwandeln lassen. Und trotzdem gilt: "Wir brauchen nach wie vor den Menschen, der Projekte vorbereitet und begleitet. Der Mediengestalter gibt letztlich die Richtung vor, damit die KI auch das gewünschte Ergebnis liefern kann", sagt Pierre Benker.

Für ihn steht fest, dass der Beruf des Mediengestalters Zukunft hat. "Ich sehe KI als Werkzeug. Und wenn der Mensch dieses Werkzeug beherrscht, wird er auch in Zukunft erfolgreich mit der KI zusammenarbeiten."
Ob Dolmetscher oder Mediengestalter – eines wird deutlich: Künstliche Intelligenz spielt in beiden Berufsfeldern schon heute eine große Rolle. Es bleibt spannend zu beobachten, welche Veränderungen sie in Zukunft noch mit sich bringen wird.
Projekt "Journalist für einen Tag": Jan Felten und Arnaud Michels von der BS