"Wir richten jedes Jahr das größte Sportevent Deutschlands aus, beim CHIO kommen 350.000 bis 400.000 Menschen jedes Jahr. Keine andere Sportveranstaltung in Deutschland ist größer, und deswegen ist es völlig logisch, wenn man an Großveranstaltungen, bei denen es ums Reiten geht, erst einmal an Aachen denkt", sagt der Aachener Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons.
Zuerst möchte die Stadt Aachen jedoch wissen, ob ihre Einwohner Interesse an einer Beteiligung an den Olympischen Spielen haben, und organisiert eine Bürgerbefragung. Anders als bei Kommunalwahlen findet diese Befragung nicht in der klassischen Wahlkabine statt. "Das läuft als Briefwahl ab, das heißt, die Menschen bekommen Post nach Hause geschickt und können dann ankreuzen, ob sie dafür oder dagegen sind. Wir werben natürlich für ein Ja. Den Brief schickt man dann zurück, entweder per Post oder man wirft ihn bei einer städtischen Behörde ein. Und dann wird am Ende ausgewertet", erklärt Dr. Ziemons.
Ein mögliches Ja der Bevölkerung heißt aber nicht, dass sicher Teile der Olympischen Spiele in Aachen stattfinden werden. Mit Berlin, Hamburg, München und der Region Rhein-Ruhr gibt es gleich vier Kandidaten für Olympia in Deutschland, und nur einer wird zur entscheidenden Wahl durchgelassen.
Trotz der großen Konkurrenz ist die Chance auf Olympische Spiele in der Nähe nicht zu unterschätzen. "Wir haben vor allem deswegen besonders gute Chancen, weil wir auch im Falle einer Berliner Bewerbung dabei wären. Also wenn Berlin den Zuschlag bekäme, wäre Aachen trotzdem mit dem Reitsport dabei. Bei Hamburg und München muss man mal sehen, das hängt vielleicht auch zum Teil davon ab, wie viele Aachenerinnen und Aachener ein deutliches Ja schicken."
Bei vergangenen Großveranstaltungen wie Olympia in Rio oder der WM in Katar hat sich nach dem Turnier wenig für die Bewohner verändert. In Aachen sind die Voraussetzungen andere. "Weil wir hier auf eine Infrastruktur setzen, die es schon gibt, weil hier nicht künstlich etwas in den Wüstensand gebaut wird, an eine Stätte, wo sich vorher niemand aufgehalten hat und nachher auch niemand mehr. Hier können wir punkten mit der Region und dem, was die Region stark macht und ausmacht", ist der Oberbürgermeister überzeugt.
Ab dem 20. März sollen die Briefe an die Aachener verschickt werden, ehe am 19. April die Entscheidung fällt, ob Aachen sich an einer Kandidatur für die Olympischen Spiele beteiligt. Unabhängig von diesem Wahlergebnis findet die finale Entscheidung für die deutsche Bewerbung um die Olympischen Spiele im September statt. Hier entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund, wer beim Internationalen Olympischen Komitee gegen die Bewerbung aus anderen Ländern antreten darf.
Paul Schmitz