Die Eupenerin Syna Gensterblum lebt seit Ende 2020 auf Zypern. Von dem Drohnenangriff war sie nicht direkt betroffen, trotzdem sei Panik ausgebrochen. "Der erste Gedanke bei den meisten Leuten war, was passiert jetzt, wenn die Briten uns da mit reinziehen. Die britischen Stützpunkte sind nicht Zypern. Zypern ist neutral und will eigentlich nichts damit zu tun haben. Aufgrund der britischen Stützpunkte werden wir da jetzt mit reingezogen. Andere Leute haben es gelassen gesehen. Es war ziemlich gemischt", berichtet sie.
Die Drohne schlägt in der Nacht vom 1. auf den 2. März ein. Sie trifft den britischen Stützpunkt Akrotiri in der Nähe der Hafenstadt Limassol. Akrotiri gilt als strategisch wichtiger Standort im östlichen Mittelmeer. In der Folge wurden die Flughäfen in Larnaka und Paphos teilweise gesperrt. "Sämtliche Flüge wurden gestrichen. Akrotiri, wo die Militärbasis ist, wurde auch zum Teil evakuiert. Mittlerweile sind fast alle Briten weg. Ich weiß nicht, wie viele Einwohner betroffen sind. Aber alles, was um diesen Stützpunkt liegt, wurde evakuiert."
Der Libanon und Israel sind nur 200 bis 300 Kilometer entfernt. Damit ist Zypern der EU-Staat, der der Krisenregion im Nahen Osten geografisch am nächsten liegt. Doch dem Militärbündnis NATO gehört Zypern nicht an. Grund dafür ist der weiterhin ungelöste Konflikt mit der Türkei. Im Alltag seien die aktuellen Spannungen kaum spürbar - und doch tut sich was.
"Hier in Paphos sind tatsächlich auch einige Kampfjets positioniert. Vor der Küste, Richtung Limassol und Larnaka, sieht man die Kriegsschiffe. Da wo ich wohne, sieht man nichts. Ich habe nur ein U-Boot gesehen. Hier in meiner Gegend ist es relativ ruhig".
Nach dem Drohneneinschlag Anfang März folgten zwei weitere Angriffe. Diese Geschosse konnten jedoch abgefangen werden. Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich haben bereits Fregatten und Luftabwehrsysteme in der Region stationiert. Diese Woche besuchten unter anderem Frankreichs Präsident Macron und der deutsche Außenminister Wadepuhl die Insel. "Wenn Zypern angegriffen wird, wird Europa angegriffen", stellte Macron am Montag klar. Einen Tag später schickte Großbritannien das hoch moderne Kriegsschiff HMS Dragon zur Verstärkung der Luftabwehr nach Zypern.

Die 47-jährige Eupenerin Syna gehört auf Zypern zu einer großen Gemeinschaft von internationalen Auswanderern, den so genannten Expats. Viele von ihnen hätten die Insel nach den Angriffen verlassen. Ob Syna auch bereit ist, die Insel zu verlassen? "Ab dem Moment, wo ich das Gefühl habe, hier wird es mir zu brenzlig, gehe ich. Wenn es dann keine Flüge mehr geben sollte, ist mein Köfferchen auch gepackt, dass ich im schlimmsten Fall irgendwo im Wald unterkomme".
Den Nachrichten begegnet Syna Gensterblum kritisch. Und auch das militärische Aufgebot vor ihrer Insel sorgt bei ihr nicht für ein Sicherheitsgefühl, im Gegenteil. Dabei bleibt immer die Frage: Was ist richtig? Was ist falsch? "Ich bin für Frieden", wiederholt Syna zwei Mal. Allerdings: "Wir können da nicht viel machen. Dieses Spiel wird auf ganz anderen Ebenen gespielt. Ich weiß nicht, was die Alternative wäre." Frieden klingt hier doch schon nach einer guten Alternative. Bleibt zu hoffen, dass dieser leise Wunsch gehört wird.
Simonne Doepgen